Wie Du mit Achtsamkeit schmerzhafte Situationen überstehst – Eine Achtsamkeitsübung

Dies ist ein Gastartikel von Sandro Teuber 🙂

Das Leben fühlt sich manchmal stürmisch an. Unsere Gefühle wogen auf und ab. Und wir haben das Gefühl den Halt zu verlieren. In diesen Momenten brauchen wir starke Wurzeln. Ich möchte Dir heute eine kleine Achtsamkeitsübung vorstellen, mit dessen Hilfe Du Deine eigenen Wurzeln stärken kannst. Sie ist ganz einfach, aber sehr effektiv.

Ich bin Psychologe und arbeite seit über 5 Jahren mit Menschen zusammen, die jetzt gerade oder in der Vergangenheit den Boden unter den Füßen verloren haben. Ich denke, jeder kennt solche Situationen aus seinem Leben. Dir wird etwas mitgeteilt, was sehr schmerzhaft ist oder Du verlierst jemanden, der Dir sehr wichtig ist. In diesen Momenten kann es passieren, dass Du den Bezug zu Dir selbst verlierst und nicht weißt, was Du machen sollst. Du stehst irgendwie hilflos da und hast das Gefühl, das Leben zieht irgendwie vorbei. Oder es fühlt sich wie im Film an. Oft hat man das auch vor Prüfungen oder aufregenden Situationen. Dieses Gefühl der Überforderung haben wir alle schon erlebt. Unser Körper sendet uns Signale, dass er überfordert ist.

Unser Körper als Botschafter

Wir Menschen sind so gestrickt, dass unser Körper viel schneller Bescheid weiß, als wir gedanklich hinterher kommen. Das ist auch gut so. Denn wenn wir immer erst überlegen müssten, bevor wir eine Gefahr erkennen würden, dann wären wir nicht mehr auf der Erde. Wenn wir ein gefährliches Tier sehen, z.B. eine Schlange, dann reagiert unser Körper im selben Moment mit erhöhter Alarmbereitschaft darauf. Das heißt unser Körper weiß schon vorab Bescheid und sendet intern zusätzlich das Signal, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Soweit so gut. Wir stehen aber jetzt keinen Schlangen gegenüber, sondern Prüfungen, unangenehmen Situationen und anderen schwierigen Erlebnissen. Und es gibt hier einen großen Unterschied. Wir werden nicht sterben in dieser Situation, auch, wenn un-ser Körper uns das weiß machen will. Wir brauchen also eine effektive Strategie, um unserem Körper und uns selbst mitzuteilen, dass keine akute Gefahr besteht. Wie Du das machen kannst, will ich dir in den folgenden Zeilen beschreiben. Bevor wir beginnen, möchte ich das Thema aber noch in eine kleine Geschichte über das Leben einbetten.

Das Leben auf dem Meer

Unser Leben ähnelt dem einer Seefahrt. Wir fahren mit unserem kleinen Schiff durch das große Meer namens Leben. Manchmal ankern wir vor einer schönen Küste. Manchmal landen wir in einem schönen Hafen und verweilen dort für eine gewisse Zeit. Wir werden sogar sesshaft und fahren nun selten hinaus auf die offene See.
Die Fahrten über das Meer des Lebens können anregend, inspirierend sein. Das Meer ist oft ruhig und wir segeln dahin. Manchmal bläst uns ein kräftiger Wind um die Nase, mit dem wir gelernt haben zurechtzukommen. Er hilft uns, unsere Ziele zu erreichen.
Und wiederum manchmal ist die See in Aufruhr. Es herrscht Sturm in unserem Leben. Und die See wogt hin und her. Auf und ab. Wir versuchen so gut es geht die Orientierung zu behalten, werden aber von unseren schmerzhaften Gedanken und Gefühlen vor uns her getrieben.

Den Anker werfen – Deine Achtsamkeitsübung

Im Sturm kann man versuchen zu ankern. Ein paar Leinen auszuwerfen, die zwar nicht den Sturm beenden, aber einen in Position halten. Dies wendet die Gefahr ab, gegen die Felsen gespült zu werden.

Wenn Du nicht von den körperlichen und emotionalen Reaktionen Deines Körpers fortgespült werden möchtest, brauchst Du starke Wurzeln. Eine kleine Achtsamkeitsübung kann dafür die Grundlage bilden. Sie soll Dir helfen in schmerzhaften Momenten nicht davongetragen zu werden und einen Bezug zu Dir, Deinem Körper und der Umgebung zu behalten.
Dies nimmt den Schrecken von solch einer Situation und hilft Dir im Anschluss diesen Moment leichter zu verarbeiten.

Probiere die folgende kleine Übung (angelehnt an Russ Harris Achtsamkeitsübung):

  1. Nimm die schmerzhaften Erinnerungen, Gedanken oder Gefühle wahr
  2. Die Füße in den Boden stemmen, Hände zusammenpressen (Dies soll dir helfen dich zu verankern im Moment und Dir Sicherheit geben)
  3. Nimm sowohl die schmerzhaften Gefühle, Gedanken, Erinnerungen als auch den Körper im Stuhl oder im Stehen wahr (Beides ist da. Dein Körper und der Schmerz. Beides darf da sein.)
  4. Schau dich um und bemerke 5 Dinge um Dich herum, die Du sehen kannst. (Verlagere Deine Aufmerksamkeit nach außen)
  5. Bemerke 3 oder 4 Geräusche um Dich
  6. Hier sind deine schmerzhaften Gefühle (Und kehre zu Dir zurück)
  7. Und hier ist Dein Körper
  8. Und dort ist ein Raum um Dich herum (Versuche Dich mit Deinem Schmerz in Deinem Körper in diesem Raum wahrzunehmen)

Das ist eine „expansive“ Übung. Das heißt Deine Wahrnehmung soll sich von dem Schmerz her ausdehnen auf alles, was außerdem da ist. Du, Dein Körper, der Raum, andere Menschen.

Wiederholen und ausbreiten

Ein Baum wird seine Wurzeln in die Erde treiben, je mehr Stürme er erlebt. Wenn Du also ein turbulentes Leben hast, brauchst Du Übung und Wiederholung, um auch Deine Wurzeln zu verstärken.

Es geht nicht darum, den Schmerz wegzumachen

Wichtig in dieser Übung ist sich klarzumachen, dass es nicht um Ablenkung vom Schmerz geht. Der Schmerz ist präsent. Er darf da sein. Aber er ist auch nicht alleine.
In jedem Moment in unserem Leben, sei er schön oder schmerzhaft, existiert eine Welt, die unabhängig davon ist. Wenn ich aus meinem Fenster schaue, sehe ich direkt davor einen Baum. Ich frage in solchen Momenten gerne, was der Baum wohl gerade sagen würde, wenn er sprechen könnte. Meist kommt als Antwort vom Baum: „Ich bin da!“
All die Dinge, um Dich herum sagen genau das. Sie sind da für Dich in diesem Augenblick und sind Zeuge Deines Schmerzes. Und sie sind da für Dich, egal, wie es Dir geht. Die Blume blüht, ob es Dir gut geht oder nicht. Sie ist da. Das ist die Schönheit des Lebens. Deshalb darf der Schmerz auch da bleiben. Er macht dich nicht zu einem schwachen Menschen. Es ist kein Makel, in Tränen aufgelöst zu sein. Denn Du bleibst ganz so wie Du bist. Vollständig und liebenswert.

Es gibt nichts, was Du in solch einem Moment entfernen müsstest. Der Schmerz gehört genauso zum Leben, wie die Liebe und das Lachen. Sie spiegeln ein und dieselbe Sache wider:

Was mir wichtig ist

Im Schmerz finden wir die Bedeutung unseres Weges wieder. Wir finden den Sinn und die Liebe an den Dingen des Lebens wieder

Kehrseite des Schmerzes

Dich schmerzt eine traurige Erinnerung? Gut! In der Erinnerung findest Du wieder, was Dir wichtig ist im Leben. Du kannst das, was Dir fehlt nehmen und im Hier und Jetzt verwirklichen. Die Liebe zu einem Menschen, den Du verloren hast, kannst Du im Hier und Jetzt auferstehen lassen und diese Liebe wieder in Dir erblühen lassen. Denn was in Dir ist kann Dir nicht genommen werden.

Aller Schmerz ist ein Spiegel für die wichtigen Dinge im Leben. Lass Dich nicht vom Schmerz hinfort spülen und finde im Schmerz deine Liebe, Deine Bestimmung und Deine Wurzeln!

Alles Gute auf Deinem Weg und mach was draus!

Ein paar Sachen interessieren mich an dieser Stelle:
Was hast Du in den schmerzhaften Momenten entdeckt, was Dir wichtig ist? Hast Du Menschen neu kennengelernt in diesen Momenten? Hast Du Dich neu kennengelernt? Ich freue mich mehr von Deinen Erfahrungen zu hören.

 

sandro-achtsamkeitsuebung

Sandro ist Psychologe, Psychotherapeut und und bloggt auf ACTforLIFE. Ich helfe seit über 5 Jahren Menschen, Hürden zu überwinden und ein reichhaltiges Leben zu führen. Nach mehreren schweren Schicksalschlägen entschied ich mich, einen Blog und Plattform für ein offenes und vitales Leben zu gründen.
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