In drei Schritten die Welt retten – Was ich in einer flammenden Rede von Christiana Figueres lernte

Ihre Mission: Die Welt retten

“… Und der Grund warum ich in den letzten Jahren dafür gearbeitet habe, dass der Klimagipfel in Paris erfolgreich wird – seid ihr!”

Christiana Figueres hält inne und wischt sich Tränen aus den Augen.

“Die junge Generation, die auf dieser Erde weiterleben möchte. Deswegen müssen wir diese Welt retten.”

August 2016 – Südfrankreich.

Direkt vor mir sitzt die Executive Secretary der UN Klima-Delegation. Und vor ihr, auf einem silbernen Tablett auf dem Boden, steht ihr mit riesigen Lotusblumen, Blütenblättern und Verzierungen geschmückter Geburtstagskuchen.

Welt retten

Foto: Wouter Verhoeven

Da fragt man sich zurecht: Wie ist das denn passiert?

Plum Village ist ein magischer Ort. Auf dem weiträumigen Gelände stehen einige wenige große Gebäude. Umsäumt von dicht-grünem Wald durchziehen ein paar Kieswege die lose mit Büschen, Bäumen und Gras bewachsene Ebene.

In zwei Teichen ragen riesige wunderschöne Blumen in zartem rosa und weiß aus dem Wasser. Der Lotus – das Symbol für die Entfaltung des eigenen Potentials.

Der Lotussamen sitzt tief im matschigen Schlamm des Teichbodens. Dort keimt er und kämpft sich durch den Schlamm vor ins trübe Wasser, bis er schließlich an der Oberfläche in voller Schönheit erblüht. Und jeder Wassertropfen, jedes Staubkorn, perlt von ihm ab.

Gegenüber von meinem Lieblingsteich (der mit den rosa Lotusblüten) betreten wir achtsam und im Schweigen die lichtdurchflutete “Transformation Hall”.
In meiner Schale befindet sich knuspriger Tempeh, frisches Gemüse von der HappyFarm und ein fruchtigrotes Gazpacho – in Achtsamkeit auf die baldige Zukunft freuen, ja, das geht 😀

Und dann sehe ich sie. Gehüllt in ihre braune Robe sitzt Schwester Chan Khong auf ihrem Kissen und wartet auf die 450 Retreat Teilnehmer.

Ihr Anblick berührt mich sehr. Sie sitzt dort in völliger Präsenz. Ihr faltendurchzogenes Gesicht strahlt sanfte Wärme aus und eine nicht zu fassende Klarheit. Schlagartig macht mich dieser Moment unglaublich dankbar. Was für ein riesiges Glück, diesem Menschen gegenüber sitzen zu dürfen!
Schwester Chan Khong ist eine Legende. Seit vielen Jahrzehnten setzt sie sich zusammen mit Thich Nhat Hanh für den Frieden auf dieser Welt, den Erhalt dieser Erde und für das Glück jedes Einzelnen ein, der ihren Rat sucht.

Und doch sollte Schwester Chan Khong an diesem Mittagessen nicht das Highlight sein.

Die Welt retten? Der Überraschungsgast

Wir essen gemeinsam im Schweigen.

Mein Geist schweift immer mal wieder ab und ich bringe ihn zurück zu dem köstlichen Essen, das ich da gerade genießen darf. Achtsamkeitstraining im Alltag.
Zwischendurch wundere ich mich, dass der Kameramann, der das Retreat begleitet und eine Doku konzipiert, seine Kamera auf die Ecke gerichtet hält, in der ich sitze. Vielleicht filmt er die Menge?

Die Spannung in der Halle steigt. Ein paar anwesende Mönche und Nonnen tauschen fragend-freudige Blicke aus und als der Großteil von uns aufgegessen hat, stimmt ein Mönch ein Geburtstagslied an.
“Wir sind sehr glücklich, Christiana Figueres an ihrem Geburtstag hier in Plum Village begrüßen zu dürfen. Als Executive Secretary der UN hat sie maßgeblich dazu beigetragen, dass das Pariser Klima-Abkommen im letzten Jahr erfolgreich war. Vor ein paar Jahren hat sie Thich Nhat Hanh einen Brief geschrieben, der ihn sehr berührt hat. Sie bat ihn um seine Unterstützung in dem gewaltigen Vorhaben der UN, den Klimawandel einzugrenzen und eine Einigung aller Nationen zu gemeinsamen Klimazielen zu erreichen.”

Christiana Figueres ist total gerührt. Sie wischt sich ein paar Tränen aus den Augen, bevor sie Ihre Rede beginnt. Ihre Rede über drei Schritte, die sie einschlug, um den Klimagipfel zu einem ersten kleinen Erfolg zu führen und diese Welt damit zu retten.
“Wir brauchen die Gegenpole der großen Hindernisse, denen wir gegenüberstehen. Und diese Gegenpole müssen wir nähren. Das ist der Lernprozess, den wir aus Kopenhagen gezogen haben.”

Schritt 1) Verzweiflung trifft sturen Optimismus

Stell dir vor, du müsstest 198 Nationen davon überzeugen, ihre Energiesysteme nachhaltig zu gestalten, die landeseigenen Ressourcen nicht weiter auszubeuten, den Schutz von Wäldern, Seen und Flüssen zu priorisieren und das Konsummuster ihrer Bürger*innen leidfreier zu gestalten. Auf dem Spiel steht nichts Geringeres als die Zukunft von tausenden von Arten auf diesem Planeten – einschließlich deiner eigenen.
Wie wäre deine erste emotionale Reaktion? Neben Überforderung wahrscheinlich auch – Verzweiflung.

So erlebte Christiana die Stimmung nach dem gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen. Und sie wusste: Mit Verzweiflung kommt sie nicht weit.

“Was ist also der Gegenpol zu Verzweiflung? – Ich entschied mich für sturen Optimismus.”

Land A beschließt, einige weitere Kohlekraftwerke zu bauen. Nation B gibt ihr Naturschutzgebiet für die Ölförderung her. Konzern XY entscheidet, den Einsatz von Pestiziden zu verdoppeln… Diese Nachrichten landeten jeden Tag auf Christianas Schreibtisch.
“Und bei all diesen Nachrichten blieb ich bei meinem sturen Optimismus: Super! Mehr Schlamm! Denn wie wir alle wissen: Ohne Schlamm, kein Lotus. Und wenn es einen Lotussamen gibt und wenn es einen Haufen Schlamm gibt, dann muss es einen Lotus geben.”

Verzweiflung raubt dir deine letzte Energie und schränkt die Wahrnehmung von möglichen Auswegen dramatisch ein. Sturer Optimismus mag nach außen hin vielleicht sogar naiv erscheinen. Aber er ist eine Grundvoraussetzung, um in ausweglos-scheinenden Situationen überhaupt eine Chance zu haben. Denn nur positive Emotionen erweitern deine Kreativität, deine Problemlösefähigkeit und deine Fähigkeit über den Tellerrand hinaus zu denken, sie erweitern sogar dein buchstäbliches Blickfeld. Das heißt, sie ermöglichen es dir auch, das große Ganze im Blick zu behalten und ständig auf den neuesten Stand zu bringen. Zudem stärken sie deine Empathie und deine Fähigkeit, gemeinsame Lösungen zu finden.

Und das führt uns zu…

Schritt 2) Schuldzuweisung trifft …?

“Das zweite, was allgegenwärtig war, waren Schuldzuweisungen. Die Südstaaten gaben den Nordstaaten die Schuld, die Nordstaaten den Konzernen, und so weiter. Und das führte vor allem zu zwei Dingen: Schlechter Stimmung und Inaktivität.

Was ist also der Gegenpol zu Schuldzuweisung? Thich Nhat Hanh würde sagen: ‘Begib dich auf die andere Seite.’”

Und das tat Christiana. Sie sprach mit unzähligen Nationen und Präsidenten und hörte wirklich zu. Denn sie wusste: Die zahllosen anderen Seiten wollen vor allem erst einmal ihre Sicht mitteilen. Sie wollen verstanden werden.

Ein kleiner Inselstatt, dessen einzige Ressource Kohle ist, hat sich dazu entschieden Kohle zu fördern, um die Lebensumstände der Bevölkerung zu verbessern.
Wie könnten die führenden Politiker dieses Inselstaates dafür sensibilisiert werden, sich für das Klima einzusetzen? Durch Schulzuweisungen weil sie Kohlekraftwerke gebaut haben? Mit Sicherheit nicht. Für viele Südstaaten klingt das einfach zynisch. Das Ergebnis: Auch die besten Vorschläge, die die Nation vielleicht sogar noch wohlhabender machen würden, werden direkt abgeblockt.

“Wenn wir wirklich hinhören und wenn sich die andere Seite wirklich verstanden fühlt, dann können wir über eine gemeinsame Richtung sprechen. Wenn sie sich verstanden fühlt, dann kann sie von dort starten, wo sie steht, in dem Tempo, in dem es ihr möglich ist.”

Die Macht der Empathie, des Eingehens auf die Gefühle und Bedürfnisse einer anderen Person, kenne ich aus der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Sehr ähnliche Inspirationen gibt es auch aus Plum Village: Thich Nhat Hanh schrieb das Buch “Achtsam Sprechen, Achtsam Zuhören”. Und Schwester Chan Khong rüstet aus, mit vier Schritten für den Ernstfall: “Vier Schritte zur friedlichen Kommunikation.”

“Der große Erfolg des Pariser Abkommens war, dass jeder ein Stück Verantwortung übernimmt. Dass jeder in die gleiche Richtung gehen möchte.”

Also – losgehen.

Schritt 3) Hilflosigkeit trifft “Jeder kleine Schritt zählt”

OK.

Du entscheidest dich also, mit all deinen Bedürfnissen, von dem Stand, an dem du gerade stehst, für die gemeinsame Richtung, den Klimawandel so weit es geht einzudämmen. Was passiert? Wahrscheinlich trifft dich in dem Moment, in dem du dich der gewaltigen Klimakatastrophe tatsächlich zuwendest, zunächst erstmal die vollkommene Hilflosigkeit. Wie soll ich als Einzelner denn irgendeinen Beitrag leisten können?

Genau das fragten sich auch Nationen.
Und das führte erneut zum Erstarren, zu gar keiner Handlung.
Christianas Zauberworte: “Jeder kleine Schritt zählt.”

“Es geht nicht darum, was du tust, es ist egal ob es lokal ist, global, ob es da oben, dort drüben oder hier drinnen stattfindet.” Sie zeigt auf ihr Herz. “Es geht darum, DASS du es tust. Die Happy Farm ist genauso wichtig, wie auf der politischen Ebene mitzuwirken. Weil sich das Bewusstsein ausbreitet. Weil sich die Inspiration ausbreitet.”

Was bedeutet dies alles nun für dich und mich?

Überwältigende Situationen und Herausforderungen wird jeder von uns noch mehrmals gegenüber stehen. Sich für den Erhalt dieser Erde einzusetzen ist eine ganz wesentliche davon.

Und deine erste Reaktion wird möglicherweise Verzweiflung sein. Das ist vollkommen menschlich. Und vielleicht entdeckst du auch, dass du und andere dazu übergehen, „Schuldige“ zu suchen und vor allem damit beschäftigt sind, diese „Schuld“ weiterzureichen. Und schließlich fühlst du dich vollkommen überfordert und hilflos.

  1. Dann kannst du tief durchatmen – Ohne Schlamm kein Lotus – Und einfach stur auf Optimismus schalten. „Ja aber…“ wirst du vielleicht denken. Ja genau. Du darfst das.
    *
  2. Wenn du merkst, wie du anderen Schuld zuweist oder Menschen beobachtest, die anderen die Schuld zuweisen, dann durchbrich diesen Zirkel mit deinem tiefen Zuhören. Begib dich auf die andere Seite. Und fühle dich in ihre Sichtweise hinein. Ohne die deine zu verlieren.
    *
  3. Und schließlich, wenn du nicht weißt, wo du beginnen sollst, wenn du dich vollkommen hilflos fühlst, dann darfst du daran denken: Jeder kleine Schritt zählt. Und sogar die Executive Secretary der UN sagt: „Es ist gar nicht so wichtig was du genau tust. Es ist wichtig, DASS du es tust.“

Es geht darum, das zu tun, wofür dein Herz wirklich brennt. Das, worin du deine ganz individuellen Stärken und Talente und Fähigkeiten einsetzen kannst. In einem Kontext, in dem du dich wohlfühlst.

Und während du an deiner Lebensvision feilst (und kleine Schritte in ihre Richtung übernimmst), zählt genauso jeder kleine Schritt, der deinen ökologischen Fußabdruck ein kleines bisschen verringert, jeder kleine Schritt, der in dieser Welt weniger Leid verursacht und uns einer glücklicheren Zukunft näherbringt.

 

Was ist dein nächster Schritt? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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3 Comments on “In drei Schritten die Welt retten – Was ich in einer flammenden Rede von Christiana Figueres lernte”

  1. Danke für diesen Artikel. Ich durfte gestern feststellen, dass er zusammen mit dem Film „American Beauty“ (ein Film mit philosophischen Tiefgang, den ich nur empfehlen kann) wie eine kleine Kurzzeittherapie wirken kann, die meine Wahrnehmung heute positiver gemacht hat. Die kleinen Dinge die manchmal zusammenkommen, können zauberhafte Momente bewirken. Dieser Artikel war einer dieser kleinen Dinge letzte Woche. Daher danke dafür.

    Mein nächster Schritt: Die kleinen alltäglichen Sachen, mit denen ich für mich und meine Familie sorge (im Moment gerade Ordnung schaffen und die Ruhe des Abends genießen) und so den Boden schaffe, auf dem mir auch mal besondere Schritte gedeihen können. Zu oft will ich wachsen ohne für nährstoffreichen Boden zu sorgen. Heute nicht.

    1. Liebe Daniela,

      es freut mich riesig, dass der Artikel einen kleinen positiven Impuls setzen konnte für dich. Und ich bedanke mich sehr für deinen Kommentar und dafür, dass du deinen so wesentlichen und wichtigen Schritt mit uns teilst: Zeit für dich, für deine Liebsten und die Entschleunigung.
      Das klingt tatsächlich nach einem sehr nährenden Boden für weitere Schritte – ein wunderschönes Bild!

      Danke für deine Inspiration der Selbstfürsorge!
      Ganz liebe Grüße,
      Nathalie

  2. Pingback: Die beste Glücks-Strategie, die diese Welt je gesehen hat: Win-Win-Win-Entscheidungen • happyroots.de

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