Wie du Liebe lebst – Gastartikel von Michael Taube

Wie du Liebe liebst

Möchtest du dich endlich so annehmen wie du bist? Willst du gerne dein eigenes Ding machen, selbstbestimmt leben und zugleich nicht egoistisch sein? In Streits willst du die Ruhe bewahren und gemeinsam mit deinem Partner eine Lösung finden? Wenn es richtig Zoff gibt, möchtest du dich auf euch als Team und eure Liebe verlassen können?

Wenn du nur eine dieser drei Fragen mit JA beantworten kannst, ist der folgende Artikel wie gemacht für dich, denn ich werde dir fünf wesentliche Tipps geben, wie du eben diese Qualitäten: Authentizität, Selbstbestimmung, Rücksichtnahme, Ruhe, Kooperation und Liebe in deinem Leben verwirklichen kannst, ohne dich dafür zu verstellen oder klein bei zu geben. Zusätzlich zu den fünf Tipps warten am Ende des Artikels noch zwei Überraschungen auf dich.

Wieso ich meine die Antworten für diese Fragen zu haben?

Lasse mich dir diese Fragen beantworten, indem ich dir zwei kurze Geschichte aus meinem Leben erzähle.

 

Es ist ein milder Nachmittag im Frühjahr 2017 in Spanien. Ich sitze am Bettrand im Haus, welches meine Partnerin Emma, unser Sohn Frederik (16 Monate) und ich bewohnen. Frederik und ich haben zuvor auf dem Bett herum getollt, uns gegenseitig mit Kuscheltieren abgeworfen und viel gelacht. Jetzt brauche ich eine Verschnaufpause. Frederik nimmt ein handgroßes Spielzeugauto aus Holz. Er wirft mir das Auto in den Rücken. Ich schreie „Aua“, nehme das Auto in meine Hand und sage ihm, dass mir das gerade ziemlich Schmerzen bereitet hat und bitte ihn damit aufzuhören. Die Situation wiederholt sich noch einige Male, bis Frederik schließlich dichter zu mir kommt und mir mit dem Auto auf den Kopf schlägt. Im nächsten Moment schrei ich ihn an: „Hör auf!“, reiße ihm das Auto aus der Hand und schmeiße es mit ziemlicher Wucht in eine Ecke des Raumes. Frederik steht da, schaut mich an und fängt an zu weinen. Schnell hänge ich noch dran: „Ich habe es dir ein paar Mal gesagt und wenn du es anders nicht verstehst, dann sag‘ ich es dir eben auf diese Weise!“ Emma kommt in das Haus, nimmt Frederik zu sich und versucht ihn zu beruhigen. Sie fragt mich was passiert ist und ich sage ihr, dass er mich mehrmals mit Auto abgeworfen und mich damit an den Kopf geschlagen hatte und ich ihn schließlich angeschrien habe. Ich lasse meinen Kopf auf meine Arme sinken und fange an zu weinen. Wenig später gehe ich nach draußen. Ich denke darüber nach was ich getan habe und werfe mir im ersten Moment vor: „Das hätte ich nicht tun sollen.“ und „Ich bin ein so schlechter Vater.“ Doch dann erinnere ich mich und übersetze diese Urteile. So wandelt sich mein Gefühl von Schuld in tiefe Traurigkeit, da ich nicht mehr in Harmonie und Verbindung zu Frederik gewesen bin und ich erkenne, dass ich mich durch meine Reaktion schützen wollte. Auch wenn ich mir heute wünsche, dass ich in der Situation anders reagiert hätte, bin ich froh zu sehen, dass ich mich trotz dessen selbst lieben kann.

 

Hast du einmal  etwas Ähnliches erlebt und dich danach geschämt oder sogar schuldig gefühlt?

 

Die zweite Geschichte, von der ich dir berichten möchte, ereignete sich einige Tage nach der Ersten. Ich habe es mir im Schneidersitz auf dem Teppich in unserem Haus gemütlich gemacht und  lese an meinem Smartphone ein E-Book, welches mich seit einigen Tagen sehr begeistert. Plötzlich geht die Tür auf. Emma hält Frederik auf dem Arm, schaut mich an und sagt kein Wort. Sie setzt Frederik auf das Bett, kniet sich vor ihm hin und beginnt ihm seine nasse Kleidung zu wechseln. Emma fragt mich, ob ich nicht mal Lust hätte Zeit mit Frederik zu verbringen. Ich sage nur, dass ich noch ein paar Seiten lesen möchte. Auf einmal schießt es auch ihr heraus: „Lesen ist dir wichtiger als die Beziehung zu deinem Kind!“ In dem Moment bin ich perplex. Ich spüre Wut und Traurigkeit in mir aufsteigen. Ich schlucke erst mal tief. Ohne etwas zu sagen gehe ich nach draußen und schließe die Tür hinter mir. Ich atme einige Male tief durch, um mich selbst zu beruhigen. Nachdem ich für mich selbst klar habe, dass in dem was Emma zu mir sagte, jegliches anerkennen meiner Bedürfnisse fehlte, denke ich darüber nach wie es Emma wohl gerade geht und was sie braucht. Ich gehe zurück und versuche es mit einer verbalen Einfühlung für Emma: „Wenn du zu mir sagst >Lesen ist dir wichtiger als die Beziehung zu deinem Kind!<, bist du total erschöpft und brauchst dringend Unterstützung?“ Leise antwortet sie mit: „Ja.“ Und im nächsten Satz drückt sie ihr Bedauern darüber aus, ihren Hilfeschrei so geäußert zu haben. Wir nehmen uns in die Arme und haben unsere einfühlsame Verbindung, welche die Basis unserer Beziehung ist, wieder aufgenommen.

Ab diesem Zeitpunkt waren wir daran interessiert, eine Lösung zu finden, die Frederik und uns beide gewinnen lässt.

 

Wie hättest du in dieser Situation reagiert?

 

Lieben kannst du lernen

2009 lieh ich mir von meinem damaligen Mitbewohner das Buch: Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens von Marshall B. Rosenberg. Das Konzept und das Menschenbild, welches Rosenberg in diesem Buch beschreibt, haben mir sofort zugesagt. Nathalie hat die Methode der Gewaltfreien Kommunikation bereits anschaulich in ihrem Artikel Miteinander Reden erklärt, doch für mich ist GfK mehr als eine reine Kommunikationsmethode. Mit ihrem ganzen Facettenreichtum ist sie ein wesentlicher Bestandteil meiner Spiritualität und die meiner Meinung nach beste Anleitung zu einem liebevollen und glücklichen Leben.

Nachdem ich also das Buch von Rosenberg gelesen hatte, begann ich die Empathische Kommunikation oder Sprache des Lebens, wie ich sie selbst nenne, in meinen Alltag zu integrieren. Durch beständiges Üben in dieser Methode über mehrere Jahre hinweg und das Weitergeben meines Wissens in Seminaren und Coachings, habe ich mir diese radikale Selbstliebe und das Hineinversetzen in andere Menschen angeeignet. Es ist eine Fähigkeit, die ich täglich verbessere, doch zur vollkommenen Perfektion werde ich es in diesem Leben wohl nicht mehr schaffen, aber das ist okay, denn ich kann mich auch dafür annehmen. 😉

Alles was es wert ist, getan zu werden, ist es auch wert unvollkommen getan zu werden.  – Marshall B. Rosenberg

Wichtig für mich ist, dass ich weiter am Ball bleibe und jeden Tag wenigstens ein bisschen übe. Das ist es auch, was ich dir mit diesem Artikel mitgeben möchte. Dich selbst und deine Mitmenschen zu lieben, ist etwas das du lernen kannst und die Schlüsselfähigkeit, die du dazu benötigst ist Empathie. Ich meine nicht Sympathie und Mitleid, sondern das Einfühlen in andere Menschen ohne dasselbe zu erleiden. Eine Fähigkeit, die sich genauso wie Klavierspielen erlernen lässt. Wie du noch heute anfängst deine Fähigkeit zu Lieben mit Hilfe von Empathie auf das nächste Level zu bringen, erkläre ich dir im Abschnitt 5 sofort umsetzbare Tipps, um Liebe zu lieben doch vorher möchte ich dir noch mein Verständnis vom Begriff Liebe näherbringen und dir ein paar Infos dazu geben, was Empathie in deinem Leben bewirken kann.

 

Liebe ist kein Gefühl, sondern ein Bedürfnis

Mein Verständnis von Liebe hat sich durch die Empathische Kommunikation stark verändert. Für mich ist Liebe kein Gefühl mehr, sondern ein Bedürfnis, welches erfüllt oder unerfüllt ist. Liebe ist der Oberbegriff für Verbindung, Wertschätzung, Nähe, Intimität, Geborgenheit und Harmonie. Wenn ich mit meiner Partnerin einen Streit habe bedeutet das nicht, dass wir uns nicht mehr lieben, sondern das unser beider Bedürfnis nach Liebe (Verbindung und Harmonie) nicht erfüllt ist. Marshall Rosenberg hat dieses Verständnis von Liebe wunderbar in einem kurzen Video festgehalten, welches ich an dieser Stelle mit dir teilen möchte.

Bedürfnisse sind niemals in Konflikt zueinander

In etwas mehr als einer Woche ist Weihnachten, das Fest der Liebe bringt uns wieder enger mit den Menschen zusammen, die uns wichtig sind, ja uns am Herzen liegen. Doch wo viele Menschen zusammenkommen, kommt es auch öfters zu Konflikten. Nicht weil wir uns nicht mehr lieben, sondern weil wir an bestimmte Strategien festhalten, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Meiner Erfahrung nach sind es nie unsere Bedürfnisse, die in Konflikt sind, sondern immer die Strategien, die wir wählen um sie zu erfüllen. So erfüllen wir zum Beispiel unser Bedürfnis nach Sicherheit in den eigenen vier Wänden, durch ein Schloss an der Tür, einen Bewegungsmelder, eine Alarmanlage, einen Wachhund oder alle Strategien zusammen.

Alle Menschen haben dieselben Bedürfnisse – nur die [Wege und] Bitten, um sie zu erfüllen,  sind unterschiedlich. Marshall B. Rosenberg

Quelle: aprentiegirafe.blogspot.com

Übersetzung: Was uns trennt (Strategien) ist eine Möglichkeit uns daran zu erinnern was uns verbindet (Bedürfnisse).

 

Da Liebe kein Gefühl, sondern ein Bedürfnis ist, lässt es sich eben auch nicht als Gefühl leben. Was wir leben können ist Liebe als eine wohlwollende Haltung allen Wesen gegenüber. Für mich ist Liebe eine innere Einstellung, der das folgende Menschenbild zu Grunde liegt:

  • Alles was wir tun, tun wir um ein Bedürfnis zu erfüllen.
  • Handlungen sind Auslöser für Gefühle, jedoch nicht die Ursache.
  • Erfüllte oder unerfüllte Bedürfnisse sind die Gründe für unsere Gefühle.
  • Bedürfnisse unterscheiden sich klar von Strategien, um Bedürfnisse zu erfüllen.
  • Konflikte entstehen auf der Strategieebene und nicht auf der Bedürfnisebene.
  • Wir alle tun in jedem Moment das Bestmögliche, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen.
  • Bedürfnisse sind universell und nicht an eine Person, einen Ort oder eine Zeit gebunden.
  • Jedes Mal wenn jemand etwas für uns aus Angst, Schuld, Scham, Angst vor Strafe oder wegen einer Belohnung tut, werden wir früher oder später die negativen Folgen dafür tragen.
  • Wir selbst können besser zu unserem und dem Glück anderer beitragen, wenn wir uns über unsere eigenen und die Bedürfnisse anderer klar sind.
  • Andere sind eher dazu bereit zu unserem Glück beizutragen, wenn sie unsere Bedürfnisse kennen.

Um dieses Menschenbild und eine Haltung der Liebe in dir zu kultivieren, ist es wichtig, dass du dich in Empathie übst. In meinen Coachings, Seminaren und Paar-Mediationen zeigt sich mir immer wieder, dass wenn wir uns am Prozess der Empathie orientieren und die Bedürfnisse gehört werden, Veränderung möglich wird. Sich in Empathie zu üben, also der Fähigkeit sich in die eigenen Gefühle und Bedürfnisse und auch in die anderer hineinzuversetzen, hilft dir nicht nur dabei weniger zu streiten und harmonischere Beziehungen zu führen, sie bringt noch viele andere Vorteile mit sich.

9 Gründe, um dich ihn Empathie zu üben

  • Du wirst anfangen die Menschen um dich herum so zu behandeln, wie du selbst behandelt werden möchtest
  • Du wirst eher die Wahrnehmung anderer verstehen, die sie von dir durch deine Worte und Taten haben
  • Du wirst auch die unausgesprochenen Teile von Kommunikation verstehen
  • Du wirst die Gefühle und Bedürfnisse der Menschen um dich herum wie auch deiner Kontakte auf der Arbeit besser verstehen
  • Du wirst weniger Konflikte im privaten als auch beruflichen Leben haben
  • Deine Wahrnehmung der Welt wird sich erweitern, da du sie auch aus der Perspektive anderer betrachtest
  • Es wird dir leichter fallen mit Leid und Negativität anderer umzugehen, da du ihre Gefühle und Bedürfnisse verstehen kannst
  • Deine Sensibilität für Dopamin (ein Neurotransmitter der für Körperreaktionen und Stimmungen wie Lebensfreude, Mut und Vergnügen verantwortlich ist) erhöht sich, sprich du brauchst weniger Glückshormone, um glücklich zu sein und bist auch damit zufriedener wenn du allein bist, ein Buch liest oder meditierst[1]
  • Empathie führt zu erfüllteren Beziehungen und damit zu einem längeren Leben

Wer empathisch ist lebt länger und glücklicher

Wenn du dich wirklich in andere einfühlen kannst, ist es dir möglich sie auf ihren Lebensweg zu begleiten und das zahlt sich aus. Zum einem hilft das anderen und zum anderen macht es dich selbst glücklich, da du dein Bedürfnis nach Beitrag erfüllen kannst. Glückliche Beziehungen spielen nach einer Langzeitstudie der Universität Harvard mit 268 Personen und einer Dauer von 80 Jahren, eine wichtigere Rolle für ein langes und gesundes Leben, als die eigenen Gene und Erbanlagen.[2]

[1] https://www.psychologytoday.com/blog/the-empaths-survival-guide/201703/the-science-behind-empathy-and-empaths

[2] https://news.harvard.edu/gazette/story/2017/04/over-nearly-80-years-harvard-study-has-been-showing-how-to-live-a-healthy-and-happy-life/

“Als die Studie begann, hat sich niemand um Empathie oder Verbundenheit gekümmert. Aber der Schlüssel zum gesunden Altern sind Beziehungen, Beziehungen, Beziehungen.“ – George Vaillant

Und was gibt es hilfreicheres, um glückliche Beziehungen zu führen, als eine einfühlsame und liebevolle Haltung?

Nichts.

Deswegen geht es jetzt auch direkt mit dem dritten Abschnitt des Artikels weiter, in dem ich dir 5 Tipps gebe, die du ab sofort umsetzen kannst und die dir dabei helfen einfühlsamer zu sein, um dich selbst und andere mehr zu lieben.

5 sofort umsetzbare Tipps, um Liebe zu leben

1. Halte inne und atme tief durch

Sobald du merkst, dass du angespannt wirst oder dir irgendetwas nicht in den Kram passt, mache eine Pause und halte inne. Nehme dir einen kurzen Moment Zeit und atme mindestens dreimal tief ein und aus. Wenn wir in stressige Situationen geraten, wird unsere Atmung schneller und flacher oder wir halten sie sogar an. Hitzige Diskussionen und Konflikte sind Stress pur. Diese flache Atmung verringert die Blutzufuhr in unser Gehirn, folglich fällt es uns schwerer klar zu denken, geschweige denn uns in uns selbst oder in andere einzufühlen. Durch bewusstes Innehalten und Ein- und Ausatmen entschleunigst du die Situation. Dein Atem verlangsamt sich und du wirst wieder ruhiger. Dann ist es dir auch wieder möglich einen klaren Gedanken zu fassen und du entscheidest darüber, was du als nächstes tust oder sagst und vor allem, wie du es sagst. Denn in der Mehrheit der Konflikte entscheidet der Tonfall (Stimmlage, Intonation) und die Körpersprache darüber, ob eine Übereinkunft gefunden werden kann. Wenn du also nur einen einzigen Tipp aus diesem Artikel beherzigst, lass es diesen sein, dass du hin und wieder innehältst, um bewusst zu atmen.

Dir fällt es schwer dich im Stress und Streits daran zu erinnern?

Damit du diese Technik auch in brenzligen Situationen anwenden kannst oder besser noch vorher, sodass Anspannungen zeitnah aufgelöst und Konflikte vermieden werden können, empfehle ich dir folgendes: Stelle dir auf deinem Handy oder deiner Armbanduhr einen Wecker. Als Klingelton kannst du diesen freien Ton einer Meditationsglocke verwenden. Wenn der Wecker klingelt, lässt du ihn klingeln, unterbrichst das was du gerade tust und atmest dreimal tief ein und aus. Währenddessen fragst du dich: Was fühle ich? Was brauche ich? Erst wenn du dreimal durchgeatmet und eine Antwort auf die Fragen hast, schaltest du den Wecker aus und stellst ihn 60 – 90 Minuten später. Vermeide es den Wecker auszustellen wenn der Ton kommt oder ihn zu snoozen, denn sonst trainierst du dein Unterbewusstsein darauf den Wecker als störend wahrzunehmen und der Sinn der Übung geht verloren. Wenn es dir nicht möglich ist die Übung täglich zu machen, weil es deine Arbeit nicht zulässt, nutze zum Beispiel den Sonntag als Achtsamkeitstag und praktiziere diese Übung wenigstens an einem Tag in der Woche.

Ich habe auch eine App ausprobiert, die den Alarm einmal zu jeder vollen Stunde abspielt, doch schnell festgestellt, dass ich dann nicht kontinuierlich innehalte und ich den Glockenschlag nach einer kurzen Zeit wieder ignoriere.

2. Meditiere über Mitgefühl

Ein gutes Mittel die eigene Empathie-Fähigkeit zu trainieren ist Meditation. Die vorangegangene Übung schult deine Fähigkeit dich selbst wahrzunehmen und ist eine wertvolle Grundlage, doch um Mitgefühl zu kultivieren brauchst es mehr als reine Achtsamkeitsmeditation. Hier kommt eine Technik ins Spiel, die vielen als Liebevolle-Güte, Metta oder Loving-Kindness Meditation bekannt ist. Studien, Bücher und Artikel belegen, dass diese Form der Meditation den größten positiven Effekt auf die menschlichen Hirnareale hat[1][2].

[1] Lakhiani, Vishen: The Code of the Extraordinary Mind: 10 Unconventional Laws to Redefine Your Life and Succeed On Your Own Terms

[2] https://www.psychologytoday.com/blog/the-athletes-way/201310/the-neuroscience-empathy

Im Folgenden erkläre ich dir wie diese Meditation funktioniert:

Bringe dich selbst in eine bequeme Position. Es nicht wichtig ob du liegst, sitzt oder stehst. Wichtig ist, dass du es bequem hast. Als Erstes stellst du dir dich selbst vor und wie dein Herz leuchtet. In Gedanken sprichst du: „Möge ich frei sein von Leid. Möge ich glücklich sein.“ Als zweites denkst du an einen oder mehrere Menschen, die dir wichtig ist. Du schickst ihnen das Licht aus deinem Herzen und deine liebevollen Gedanken: „Mögen sie frei sein von Leid. Mögen sie glücklich sein.“ Als drittes denkst du an einen Menschen, dem du neutral gegenüber stehst. Zum Beispiel einen Nachbarn oder die Kassiererin aus dem Supermarkt. Du sendest ihnen wieder das leuchtende Licht aus deinem Herzen und deine liebevollen Gedanken. Zum Schluss stellst du dir die Erde und all ihre Bewohner vor. Das Licht deines Herzens umhüllt die Erde mit einer Blase aus Liebe und Mitgefühl. Sende nochmal deine liebevollen Gedanken an alle Wesen.

Wenn du diese Meditation regelmäßig machst, zum Beispiel vier Minuten täglich, wird sich die Energie wie du den Menschen begegnest verändern. In meinem kostenlosen Live-Webinar beginnen wir jedes Mal mit einer erweiterten Form dieser Meditation, um eine liebevolle Haltung zu kultivieren.

Doch alle Achtsamkeit und alles meditieren für Liebe und Mitgefühl nützt dir nur etwas, wenn du anfängst dein urteilendes Denken und deine lebenstrennende Sprache in eine Sprache des Lebens zu transformieren. Dabei hilft dir die Methode der Empathischen Kommunikation.

3. Höre zu und gebe wieder

Zwei wichtige Bestandteile einer Sprache, die dem Leben dient und es bereichert, sind Paraphrasieren und Verbalisieren. Beim Paraphrasieren geht es darum die reinen Sachinhalte des gehörten nochmal wiederzugeben wohingegen beim Verbalisieren zusätzlich auf die Gefühle und Bedürfnisse eingegangen wird. Die beste und einfachste Methode eine Basis von Vertrauen und Verständnis zu schaffen ist es, das Gesagte des Gegenübers nochmal mit den eigenen Worten zu wiederholen. Wie oft überlegen wir uns noch während der andere spricht, welche Gegenargumente wir als nächstes anbringen nur, um gegenhalten zu können oder sogar zu unterbrechen. In dem wir uns zu Beginn im einfachen Paraphrasieren üben, merkt der andere, dass wir aktiv beim ihm sind und wir versuchen ihn zu verstehen, statt von unseren Ansichten zu überzeugen.

Beginne noch heute damit und versuche ein einziges Mal mit eigenen Worten das wiederzugeben, was dir jemand sagt. Am leichtesten ist es wenn dir von etwas Erfreulichem oder Traurigem erzählt wird, bei dem du nicht beteiligt bist. So sind deine Emotionen außen vor und du kannst dich ganz auf die Übung und den Inhalt des Gesagten konzentrieren. Wenn du darin fortgeschrittener bist, kannst du anfangen dich an Diskussionen zu probieren. Ich garantiere dir, dass dein Paraphrasieren die Qualität eures Gesprächs positiv beeinflussen wird, solange du nicht jeden Satz wiederholst. 😉

Das Paraphrasieren kannst du mit folgenden oder ähnlichen Formulierungen einleiten:

„Wenn ich dich richtig verstehe …“

„Was ich gehört habe ist …“

„Du meinst also …“

„Du glaubst …“

„Deiner Ansicht nach …“

4. Gebe dir Selbst-Empathie

Wenn du meinen ersten Tipp für eine gewisse Zeit regelmäßig umsetzt, wird es dir leichter fallen dir Selbst-Einfühlung zu geben, wenn du sie dringend brauchst. Die Fähigkeit die eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und authentisch, nicht jedoch verletzend, ausdrücken zu können ist neben dem Innehalten, Paraphrasieren und Verbalisieren, eine der Grundvoraussetzungen um anderen Empathie geben zu können. Es ist sogar so, dass wir nur in der Lage sind, Anderen Empathie zu geben, wenn wir sie uns selbst geben können. Mit Empathie verhält es sich wie mit den Sauerstoffmasken im Flugzeug. Zu Beginn eines Fluges erklärt die Kabinencrew, dass Begleiter von Kindern sich bitte zuerst selbst die Maske aufsetzen und dann den Kindern, sonst würde ihnen nämlich die Luft weg bleiben und sie wären keine Hilfe mehr. In dem Moment wo du beginnst deine eigenen Bedürfnisse anzuerkennen und sich auch für sie einzusetzen, wirst du liebevoller mit dir und deinen Mitmenschen umgehen. Die eigenen Bedürfnisse erfüllen zu wollen ist, so lange es niemand anderen schadet, keineswegs egoistisch sondern lediglich ein Akt der Selbstliebe. In einer Sprache des Lebens zu denken und zu sprechen, kreiert ungeahnte Möglichkeiten und lässt Menschen in Beziehungen gemeinsam Wege finden, die für alle funktionieren.

Wie genau du dir Selbst-Empathie gibst?

Das möchte ich dir anhand des Beispiels aus meiner ersten Geschichte erklären. Du erinnerst dich: Frederik hatte mich mit dem Auto geschlagen und ich schrie ihn wütend an. Danach ging ich nach draußen, um mich mit dem zu verbinden was in mir lebendig war. Ich stellte mir folgende Fragen in genau dieser Reihenfolge:

  1. Was habe ich gesehen und gehört? (Beobachtung)

Ich nahm Frederik das Auto aus der Hand, warf es in die Ecke und sagte mit lauter Stimme: „Hör auf!“ und anschließend noch „Ich habe es dir ein paar Mal gesagt und wenn du es anders nicht verstehst, dann sag‘ ich es dir eben auf diese Weise!“.

  1. Wie fühle ich mich damit? (Gefühl)

Ich bin traurig, erschüttert und auch schockiert.

  1. Welches Bedürfnis wurde dadurch nicht erfüllt? (Bedürfnis)

Verbindung, Liebe

Da es in der Situation mein eigenes Verhalten war, mit dem ich unzufrieden gewesen bin, und  ich es außerdem bedauerte, stellte ich mir noch eine Zwischenfrage.

Welches Bedürfnis habe ich versucht mir dadurch zu erfüllen?

Schutz, Ruhe, Verständnis

Zuletzt Fragte ich mich nach einer konkreten und im gegenwärtigen Moment machtbaren Bitte.

  1. Was kann ich jetzt tun um mein Leben und das von Frederik wunderbarer zu machen?

Die Antwort für mich darauf war, dass ich ihm Gegenüber mein Bedauern ausdrücke für das was geschehen war. Das klang dann ungefähr so:

„Wenn ich daran denke wie ich dich angeschrien habe, bin ich sehr traurig, weil mir Verbindung zu dir wichtig ist und ich gerne anders mit dir reden möchte.“

Auch wenn Frederik es mir zu dem Zeitpunkt nicht nochmal wiedergeben konnte, was ich sagte, so war es doch für mich persönlich wichtig es ihm zu sagen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Kinder spüren mit welcher Haltung wir ihnen begegnen, und ob wir authentisch sind.

5. Gib Empathie

Wie ich schon erklärt habe, bist du in angespannten Situationen nur in der Lage, anderen Empathie zu geben, wenn du sie dir vorher selbst gibst. Wenn du darin geübt bist, geht das durch die Verbindung mit deinem Atem innerhalb von ein paar Millisekunden. Wie du einer anderen Person Empathie geben kannst, erkläre ich dir anhand der zweiten Geschichte in der meine Partnerin mir vorwarf, dass mir Lesen wichtiger sei als die Beziehung zu unserem gemeinsamen Kind.

Ich ging also nach draußen und gab mir stille Selbst-Empathie. Das klang in meinem Kopf dann ungefähr so: „Wenn ich höre wie Emma sagt >Lesen ist dir wichtiger als die Beziehung zu deinem Kind<, bin ich traurig und gehemmt sie zu unterstützen, weil mir Anerkennung meiner Bedürfnisse und Verständnis wichtig ist.“

Bevor ich mich dazu entschied zurück ins Haus zu gehen, überlegte ich mir noch wie Emma sich wohl fühlte und was sie brauchte.

Was hat sie gesehen oder gehört?

Emma sah mich lesen und hörte wie ich auf ihre Frage, ob ich nicht mal Zeit mit Frederik verbringen möchte, antwortete: „Ein paar Seiten möchte ich noch lesen.“

Wie fühlt sie sich als sie sagte „Lesen ist dir wichtiger als die Beziehung zu deinem Kind!“?

Sie ist wahrscheinlich erschöpft, frustriert, traurig.

Was braucht sie?

Ich vermute sie braucht Ruhe, Erholung, Entspannung, Unterstützung.

Nachdem ich mir über meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse klar war und auch eine Vorstellung davon hatte was Emma fühlt und braucht, entschied ich mich dazu ins Haus zurückzugehen.

Ich öffne die Tür, knie mich neben Emma auf dem Boden und sage: „Wenn du zu mir sagst >Lesen ist dir wichtiger als die Beziehung zu deinem Kind!<, bist du total erschöpft und brauchst dringend Erholung und Unterstützung?“ Leise antwortet sie mit: „Ja.“ Dann sagt sie zu mir, dass sie traurig darüber ist, ihr Bedürfnis so geäußert zu haben. Wir umarmen uns und tauschen uns darüber aus wie wir gemeinsam unsere Bedürfnisse erfüllen können.

Wenn sich ein Konflikt entwickelt oder wir bereits in einem sind, haben wir immer zwei Möglichkeiten die Kommunikation fortzuführen beziehungsweise aufzunehmen. Die erste Möglichkeit ist eine aufrichtige Selbstmitteilung und die zweite das Verbalisieren der Gefühle und Bedürfnisse der anderen Person (verbale Einfühlung). Gerade in sehr aufgeladenen Situationen bedarf es oft erst der Selbstklärung. Ob ich mich für eine aufrichtige Selbstmitteilung oder eine verbale Einfühlung entscheide mache ich davon abhängig wie stark die Gefühle in mir sind.

Eine Aufrichtige Selbstmitteilung bei diesem Beispiel könnte folgendermaßen klingen: „Wenn du zu mir sagst >Lesen ist dir wichtiger als die Beziehung zu deinem Kind<, bin ich traurig und gehemmt mit Frederik Zeit zu verbringen, weil mir das Anerkennen meiner Bedürfnisse wichtig ist. Wärst du bereit mir zusagen, was jetzt gerade bei dir ankam?“

Hier habe ich noch eine konkrete Bitte angehängt, die, wenn sie erfüllt wird, mir mein Bedürfnis nach Verständnis erfüllen würde.

Als ich meiner Partnerin Empathie gab, habe ich die Bitte weggelassen, da es mir darum ging erst einmal wieder eine Verbindung aufzubauen, die einen Austausch möglich macht. Da war es mir wichtiger, dass sie die Empathie bekam die sie brauchte. Mit einer Bitte hätte die verbale Einfühlung folgendermaßen klingen können: „Wenn du zu mir sagst >Lesen ist dir wichtiger als die Beziehung zu deinem Kind!<, bist du total erschöpft, brauchst dringend Erholung und möchtest, dass ich eine Stunde mit Frederik spiele, damit du dich ausruhen kannst?“

Ich weiß, dass diese Art zu Sprechen dir am Anfang etwas ungewohnt vorkommen wird, doch mit etwas Übung und den ersten Erfolgserlebnissen, wirst du inspiriert sein noch tiefer in die Sprache des Lebens einzutauchen.

Alles was du tun zu brauchst, um wieder eine einfühlsame Verbindung zu dir selbst oder einem anderem Menschen herzustellen ist, dich durch bewusste Atmung zu beruhigen und den Prozess zu befolgen, auch wenn dieser dir am Anfang mechanisch erscheint. Die Erfahrung zeigt mir, dass es funktioniert. Damit dir die ganze Sache zu Beginn leichter fällt, habe ich ein Handout zum Empathie-Prozess erstellt. Auf diesem Handout findest du die zwei Seiten Selbst-Empathie und Empathie mit den vier Schritten (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte) beschrieben und eine Liste mit Gefühlen und Bedürfnissen. Das Handout kannst du dir kostenlos herunterladen. Nimm bei deinem nächsten Streit mit einem Freund, deinem Partner oder deinem Kind das Handout zur Hand und sage, dass du mal ein kleines Experiment machen möchtest von dem du dir erhoffst, dass ihr schneller wieder zueinander und gemeinsam eine Lösung findet. Das ist auch im Interesse deines Gegenübers, doch falls deine Partnerin absolut dagegen ist, kannst du versuchen dich mit Hilfe des Empathie-Prozesses mit den dahinterliegenden Bedürfnissen zu verbinden. 😉

Zusammenfassung

In diesem Artikel habe ich dir gezeigt, dass du lernen kannst zu lieben. Du hast erfahren, dass Liebe kein Gefühl, sondern ein Bedürfnis ist, welches sich durch eine einfühlsame Haltung dir selbst und anderen gegenüber erfüllen lässt. Du weißt, dass Empathie eine wichtige Grundvoraussetzung für diese Einstellung ist und kennst einige Vorteile, die das Kultivieren von Empathie mit sich bringt. Damit du die empathische Haltung, welche immer als Ziel hat eine Verbindung herzustellen, leichter in dein Leben integrieren kannst, gebe ich dir folgende 5 Tipps mit auf deinen Weg:

  1. Halte inne und atme tief durch
  2. Meditiere über Mitgefühl
  3. Höre zu und gebe wieder
  4. Gebe dir Selbst-Empathie
  5. Gebe Empathie

Ich hoffe der Artikel inspiriert und motiviert dich deinen Traum in Liebe zu leben Wirklichkeit werden zu lassen. Natürlich kann ich mit diesem Artikel nur einen Impuls setzen, doch auch eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. 🙂

Zum Schluss habe ich noch eine Überraschungen für dich.

DU MÖCHTEST EIN THEMA ANSPRECHEN, DASS DIR NAHEGEHT, EINEN KONFLIKT LÖSEN, DICH FÜR DEINE BEDÜRFNISSE EINSETZEN ODER DEN ANDEREN BESSER VERSTEHEN?

SCHILDERE MIR DIE SITUATION UND ICH FORMULIERE DIR JEWEILS EINE MÖGLICHKEIT FÜR DIE AUFRICHTIGE SELBSTMITTEILUNG UND DIE EINFÜHLUNG IN DEN ANDEREN, SO DASS ES DIR GELINGT DIE VERBINDUNG WIEDER AUFZUNEHMEN.

 

Und wenn du einen tieferen Einblick in die Sprache des Lebens bekommen möchtest, melde dich  für mein kostenloses Webinar Einfühlsam Reden – Liebe Leben an. Denke daran dir außerdem das Handout zum Empathie-Prozess herunterzuladen, so dass es mit dem herstellen einer Verbindung klappt.

Hier den Empathie-Prozess herunterladen: http://michaeltaube.net/startpaket

Mögest du gesund, frei und glücklich sein.

In Liebe,

Michael

 

 

Hallo, ich bin Michael und ich coache Menschen die mehr Erfüllung in ihrem Leben möchten. Egal ob Beziehungen, Beruf, Ernährung oder Lebensstil. Gemeinsam finden wir neue Wege.

2 Comments on “Wie du Liebe lebst – Gastartikel von Michael Taube”

  1. Wow! Was für ein Artikel! Ich find den Ansatz, den du erwähnst, dass man Liebe lernen kann unheimlich spannend, denn genau den vertreten wir von BRAVE & ONE auch! Viele denken immer nur, dass das ein Gefühl ist, was kommt und geht, aber tatsächlich folgen unsere Emotionen auch unseren Taten und das finde ich auch noch ganz wichtig zu dem Thema zu sagen!

    Sehr cool hier jemanden gefunden zu haben, der eine ähnliche Ansicht hat!

    Liebe Grüße
    Tim

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.