6 Gründe, warum ich Hoffnung habe – und du sie auch haben darfst

Hoffnung

Was gibt dir Hoffnung?

Indonesien, 2015.

Wie oft in der Trockenzeit kommt es zu Waldbränden. Die Brandrodungen des Waldes zur Palmölherstellung geraten außer Kontrolle. Aber diesmal sollten die Brände ein besonderes Ausmaß haben. 17.000 m² des indonesischen Regenwaldes sind ihnen zum Opfer gefallen. Das ist ungefähr so groß wie ganz Sachsen.

Dicke Rauchschwaden verpesteten monatelang die Luft und zogen Todesfälle nach sich. Gleichzeitig wurde doppelt so viel klimaschädliches Gas ausgestoßen wie Deutschland in einem ganzen Jahr in die Atmosphäre pustet.

Die Anschläge auf Flüchtlingsheime mehren sich und Rechtsradikalismus gewinnt in Deutschland an Aufschwung. Davor geschaltet ist die Berichterstattung über Flüchtlinge, die immer mehr rechte Tendenzen aufweist.

Es naht das 6. Große Artensterben der letzten 500 Millionen Jahre – diesmal menschengemacht. Bedroht sind nicht etwa fiese Kellerspinnen, Mücken oder Kakerlaken (damit kämen wir wohl noch zurecht). Bedroht sind Bäume, die uns mit Sauerstoff versorgen. Bienen, die unsere Nahrungsversorgung sicherstellen. Und wunderschöne Tierarten, wie der Elefant, die Meeresschildkröte und der Tiger.

Was gibt angesichts dieser Entwicklungen Hoffnung? Was gibt dir Hoffnung?

Diese Frage traf mich am Ende einer Umfrage von Avaaz – einer globalen Bewegung, die sich für genau diese Themen mit Hilfe von Petitionen, Aufrufen zu Massenmails und Demonstrationen stark macht und in die sich bereits 50 Millionen Menschen weltweit einbringen.

Was gibt mir Hoffnung?

Diese Frage begleitete mich tagelang.

 

Hoffnung ist DIE Basis, um überwältigenden Herausforderungen begegnen zu können.

Hunde, die mehrere Wochen lang einem Elektroschock nicht entkommen konnten, machten nach kürzester Zeit keine Anstalten mehr zu fliehen und lagen reglos in einer Ecke, erduldeten ihr Schicksal. Das eigentlich Erschreckende: Selbst, als sie die Möglichkeit bekamen, sich durch einen Sprung in Sicherheit zu bringen, taten sie es nicht. Seligman nannte dies “erlernte Hilflosigkeit”. Das Gegenteil von Hoffnung.

Was kann uns also Hoffnung geben?

 

1* Zu wissen, dass jeder die Wurzeln des Mitgefühls in sich trägt

Mitgefühl ist weder hart anerzogen, noch nutzlose Laune der Natur.

Mitgefühl ist ein Instinkt.

Bereits Babies und Kleinkinder zeigen Mitgefühl, indem sie anderen helfen. Dafür überwinden sie sogar Hindernisse. Sie zeigen Fairness, indem sie gerecht aufteilen. Und sie bevorzugen Personen, die anderen helfen. Selbst bei Erwachsenen, die einer konkurrenzbelasteten Gesellschaft schon länger ausgesetzt sind, zeigt die Wissenschaft: Der erste Impuls ist es zu helfen. Nicht zu konkurrieren.

Und Evolutionsforscher zeigen, dass uns dies zurecht in die Wiege gelegt wird. Denn unsere Fähigkeit, starke und positive Beziehungen zu anderen aufzubauen und stabile Gruppen zu bilden ist die Basis für unsere Existenz.

Wunderbar zusammengefasst ist dies im Artikel „Compassionate Mind, Healthy Body“ – der wie der Name verrät noch einiges mehr zu bieten hat!

Und Mitgefühl mit anderen Lebewesen ist laut einer spannenden Studie ein entscheidender Faktor, sich für diese Welt einzusetzen.

 

2* Zu wissen, dass ein nachhaltiger, sozial-gerechter Lebensstil glücklich macht – im Gegensatz zum aktuellen Konsum-&-Hamsterrad-System

Das ist der Grund, warum es diesen Blog gibt. 🙂

Gutes zu tun, für Menschen sowie für die Natur, macht direkt glücklich – und dieses Glück hält länger an. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass es für unser tiefes Glück lebenswichtig ist, dass wir in Übereinstimmung mit unseren Werten und Überzeugungen handeln.

Naturverbunden zu leben steigert das Wohlbefinden ungemein. Es beschleunigt sogar die Heilung von Krankheiten. Und sehr glückliche Menschen geben ihr Geld mehr für Erlebnisse aus, weniger für Dinge. Sie geben es auch mehr für andere aus und weniger für sich selbst.

Auf der anderen Seite war die Zahl der an Depressionen Erkrankten noch nie so hoch wie heute, in den westlich geprägten Ländern. Das vorherrschende System: Glorifizierung von Konsum und Konkurrenz. Das Gegenteil eines nachhaltigen, sozial-gerechten Lebensstils. Wie es um das Wohlbefinden eines Faschisten bestellt ist, mag ich mir gar nicht erst ausmalen.

 

3* Die Schönheit dieser Erde

Was ist der schönste Ort an dem du je gewesen bist?

Diese Frage habe ich dir schon einmal gestellt. Und ich bin überzeugt: Die Schönheit, die diese Erde für dich bereit hält, ist ein Schlüssel dazu, sie schützen zu wollen.

Wenn du an einem Ort bist und seine Schönheit siehst, sie wirklich siehst und an dich heranlässt, sie erlebst, dann entsteht Wertschätzung. Dann entsteht Dankbarkeit. Und Dinge die du wertschätzt, für die du dankbar bist, die sind dir wertvoll und kostbar. Die möchtest du schützen.

Verbringe Zeit in der Schönheit! Lasse deine Wertschätzung wachsen! Eine Übung dazu findest du in meinem Artikel „Wie Dankbarkeit dein Leben rockt“ unter Punkt 2: „Dankbarkeit und diese Erde“.

 

4* All die kleinen und großen Bewegungen, die wundervolle, bedeutsame Veränderungen erschaffen

Ob weltweit oder regional: Das Engagement für eine gerechtere Welt wächst.

NGO’s (Non-governmental organisations), Vereine & Stiftungen wie Greenpeace, Ärzte ohne Grenzen oder die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt wachsen beständig und gewinnen an Einfluss. Avaaz bildet eine Plattform und Community für globales Mitspracherecht auf der sich ca. 43 Millionen Menschen (!!) engagieren.

Initiativen wie Transition Town und Utopia ermöglichen es dir, positiven Wandel vor deiner Haustür mitzugestalten.

Und Social Entrepreneurs & Ecopreneurs widmen sich mit innovativen Geschäftsmodellen den gesellschaftlichen Herausforderungen. Heraus kommen Gemeinschaftsgärten mit Flüchtlingen, verpackungsfreie Supermärkte, Car-Sharing und eine Suchmaschine die Bäume pflanzt. Und an vielen Orten in Deutschland werden diese Geschäftsideen gefördert!

Was ist deine Vision für eine bessere Welt?

 

5* Meine Freunde, die diese Erde mit mir retten möchten

Du bist, wie der Durchschnitt der fünf wichtigsten Menschen in deinem Leben. Du wirst zu dem, mit denen du dich umgibst.

„Ich mach die Weiterbildung zur Klima- und Umweltschützerin!“ Meine Freundin strahlt mich an.

„Ich bin bei Sustainability Management in Wuppertal angenommen worden!“, sagt mein Freund, mit dem ich nun seit zwei Jahren zusammen bin.

Menschen, die dir nah stehen und sich für das Gleiche einsetzen wie du, sind unschätzbar wertvoll! Sie bestärken dich, in dem was du tust, sie leiten dich zurück auf deinen Kurs, wenn du ihn mal aus den Augen verlierst. Und das Wichtigste: Sie zeigen dir, dass du nicht allein mit deiner Vision bist.

Wie schaffst du dies in deinem Leben? Ganz einfach: Engagiere dich in Gruppen, die sich für deine Vision, deine Werte einsetzen. Mein Start in ein bewusstes und nachhaltiges Leben war das Buddhistische Zentrum Essen von Triratna. Und nach wie vor sind die Engagierten Buddhisten und die Greenpeaceler für mich Inspiration, Bestärkung und Tatkraft.

 

6* Meine Entscheidung, diese Welt zu schützen

Der Wandel liegt in Dir [Slogan von SpiegelDich].

Ich schaue mir an, was mein Verhalten für Folgen hat. Und dann entscheide ich, wie ich mich verhalte.

Mit deinen Entscheidungen hast du alles in der Hand.

Deine Konsumentscheidungen bestimmen, ob das Leid in dieser Welt vergrößert oder verringert wird. Die Wahl deines Berufs bestimmt, wer von deiner Zeit, deiner Energie, deinem Potential profitiert – die dunkle oder die helle Seite der Macht? Deine Taten anderen gegenüber bestimmen, ob du Mitgefühl, Großzügigkeit und Wertschätzung in diese Welt trägst, oder ihre Gegenteile förderst. Und schließlich entscheidet dein Mut und deine Freiheit im Denken darüber, ob du Alternativen mitgestaltest für eine bessere Welt.

 

Was gibt DIR Hoffnung? Teile es mit der happyroots-community!

Ich freue mich auf deine Inspirationen.

Alles Liebe,

Hoffnung

Nathalie

13 Comments on “6 Gründe, warum ich Hoffnung habe – und du sie auch haben darfst”

  1. Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.
    – Vaclav Havel-

    Und was macht mehr Sinn, als diese Wunder-volle Erde, unseren Lebensraum zu schützen?

    1. Liebe Jana,
      ein wunderschönes Zitat <3 Vielleicht wird es sogar Teil des Titelbildes!
      🙂 Ich wünsche dir ein wunderschönes, *sinn*volles* Wochenende,
      Nathalie

  2. Hi Nathalie,
    Ich habe vor einiger Zeit überlegt, was mir Hoffnung gibt. Ich habe diesen Artikel gelesen und überlegt, ‚was schreibst Du jetzt?‘
    So richtig fiel mir nichts ein, was nicht schon ggf. von Dir erwähnt wurde.

    Jetzt vor kurzem kam es dann aus dem Nichts in den Sinn.

    ICH gebe mir Hoffnung.

    Ich habe vor einigen Monaten einen stärkeren Sinneswandel durchlebt. Davor hatte ich diese Haltung ‚Ich kann doch eh nichts ändern‘ oder ‚Irgendwer wird sich schon kümmern’… und dabei weiter fleißig beim Discounter eingekauft, mir keine Gdanken über Nachhaltigkeit und Müllerzeugung gemacht, (Billig)Fleisch gegessen, die „immer-alles“-Kultur voll ausgelebt und für natürlich gehalten, einfach halt alles als gegeben hingenommen und kaum etwas hinterfragt.
    Erst ein anderer Mensch hat mich zum Umdenken inspiriert.
    Und dieser Prozess ging relativ schnell (natürlich ist er nicht abgeschlossen, sondern stetig), bedenkt man, dass ich bis zu diesem Umdenken mein ganzes Leben voll im System gelebt habe und einen ökologischen Fußabdruck jenseits von Gut und Böse erzeugt habe.

    ICH gebe mir Hoffnung, weil ich hinterfragt habe welche Auswirkungen mein Handeln hat, aus einer vorigen „Scheiß egal“-Haltung (etwas überspitzt). Und dafür war „nur“ EIN Mitmensch nötig. Und ich denke viele Menschen sind in einer ähnlichen Situation wie ich, was bedeutet, viele Menschen können sich/ihr Verhalten ändern.

    Wie Die Ärzte schon gesungen haben,
    „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt!“ Haha 😉

    1. Lieber Bastian,

      🙂 ein absoluter Hoffnungsgeber ist dein Kommentar! Vielen lieben Dank dafür, dass du deine Geschichte mit uns teilst – und damit ein großes Stück Hoffnung! Jeder kann beginnen ein kleines bisschen mehr hinzuschauen und sich auf den stetigen Prozess, ganz im eigenen Tempo, einlassen. Und genauso wichtig: Jeder kann einen anderen Menschen inspirieren! 🙂 Man weiß nie, was man für Spuren hinterlässt.

      Einen ganz lieben Gruß,
      Nathalie

  3. Hallo Nathalie,

    seit 2008 war ich nach zuvor vielen sehr erfolgreichen Jahren (mehr als 2 Jahrzehnte) nach einem einzigen traumatischen Erlebnis im beruflichen Bereich wie in einer hoffnungslosen Tretmühle gefangen. Alle Bemühungen etwas dagegen zu unternehmen waren umsonst und sogar eher kontraproduktiv. Leben im Gestern statt im Hier und Jetzt. Nach 2 Aufenthalten in stationären psychosomatischen Kliniken, eingerahmt durch eine mehr als 5-jährige ambulante Therapie verspüre ich nun langsam eine Kehrtwende dieser Situation.

    So mies diese Zeit auch war, sie hat mich im Nachhinein auch positiv beeinflusst, wie ich allerdings jetzt erst weiß. Ich bin gefühlvoller geworden und habe gelernt, achtsam zu sein auf das was mich bewegt und wie es mich bewegt: körperlich, geistig und vor allem seelisch (psychisch). Die Verbindungen zwischen diesen sind geweckt und geschärft worden. Dafür bin ich sehr dankbar. Die Zukunft sieht wieder viel hoffnungsvoller aus.

    Nun habe ich zufällig deinen Blog entdeckt und verschlinge jeden Blogartikel von dir. Sehr lesenswert, auch weil du einen sehr angenehmen Schreibstil hast. Ich danke dir für viele wunderschöne Gedanken, die mit deinen Zeilen verbunden sind. Früher hätte ich mich mit diesen Themen niemals so auseinandersetzen können oder gar wollen, heute suche ich regelrecht solche Zeilen. Ein Buch, welches mich gerade täglich mit einem kurzem Text begleitet, ist das Buch „In der Dichte des Lebens“.

    Nochmals vielen lieben Dank für alles, was mit deinem Blog zusammenhängt, für deine damit verbundene Hilfe zur Selbsthilfe und auch für deinen einzigartigen Schreibstil.

    Ja, „Glück entsteht im Kopf“ und jeder ist für sich selbst damit derjenige, der letztendlich den größten Einfluss daran ausüben kann,
    Stefan

    1. Lieber Stefan,

      zunächst einmal von Herzen ein großes Dankeschön, dass du deine Geschichte & Erfahrungen auf happyroots mit uns teilst! Der Einschnitt in deinem Leben klingt gravierend – und umso schöner ist es zu lesen, wie hoffnungsvoll und vielleicht sogar ein bisschen dankbar du darüber schreibst, was sich in deinem Leben und in deinem Sein nun zum Besseren gewendet hat! Das freut mich wirklich sehr – und ist ein unglaublicher Hoffnungsgeber für schwierige Situationen, auch für andere!

      Über dein Lob hab ich mich dann natürlich auch nochmal mega doll gefreut – vielen lieben Dank dafür! Es ist total schön zu wissen, dass ich dich mit dem was und wie ich schreibe ansprechen und berühren kann 🙂 Das gibt ordentlich Motivationsaufschwung!
      In der Dichte des Lebens klingt übrigens auch nach einem sehr bereichernden Buch! Das kommt auf meine Liste.

      Mit einem herzlich-sommerlichen Gruß,
      Nathalie

  4. Mir geben die vielen Leuchtturmprojekte Hoffnung, die Veränderungen im System schaffen oder Alternativen zum Etablierten anbieten, leben und erfahrbar machen.
    Mir geben jene Publikationen Hoffnung, die von diesen Leuchtturmprojekten berichten. Das sind teilweise auch einfach Kundenmagazine, die ich durch meinen nachhaltigen Konsum erhalte, z. B. das Magazin der ökologisch-sozialen GLS-Bank oder auch mal ein Artikel im Bio-Magazin Schrot & Korn.
    Um so mehr man sich mit einer nachhaltigen Lebensweise beschäftigt, umso mehr hoffnungsschaffende Menschen und Projekte begegnen einem.
    Ich finde es schön, Nathalie, dass du nicht nur die nachhaltigen Konsumentscheidungen erwähnst, sondern auch, dass man selbst Gestalter werden kann – politisch oder durch Projekte. Das finde ich wichtig: Das wir das Bewusstsein in uns und anderen wecken, dass wir mehr als Konsumenten mit unseren Konsumentscheidungen sind. Zu viele Klimaschutz-Kampagnen fokussieren nur den Konsumwandel. Gerade daher bin ich so froh, dass es mutmachende Vorbilder gibt.

    1. Vielen Dank, liebe Daniela, für deine bestärkende Rückmeldung und deine Gedanken & Inspirationen zu Projekten, die dir Hoffnung machen!
      Beim Lesen deines Beitrages kam mir in den Sinn, wie wichtig es ist, welche Informationsquellen wir beziehen – und was wir aus ihnen ziehen können 🙂 Denn anders als in der „konventionellen“ Presse gibt es auch Informationskanäle, die ein runderes und lösungsorientierteres Bild schaffen.
      Einen ganz lieben Gruß,
      Nathalie

  5. Hallo Nathalie! Vielen Dank für die Offenheit über die hier geschrieben wird.
    Darf ich hier auch Fragen stellen, oder sind nur Erfahrungen erwünscht? Mich würde interessieren wie du Hoffnung erlebst, wenn du am Bett von sterbenden Menschen stehst oder am offenen Grab von Menschen. In meinem Alltag gibt es solche Situationen immer mal wieder und hier meine ich zerbricht doch mit dem Tod oft auch eine Menge an Hoffnungen. Klar, wenn jemand alt stirbt, kann man noch sagen, der hat sein Leben gelebt. Doch was wenn es jemanden trifft der viel zu früh ging. Was würdest du sagen ist eine Hoffnung die über den Tod hinaus reicht?
    Würde mich freuen, wenn du mir hier deine Sicht nennen könntest. Doch vielleicht ist die Frage auch zu persönlich.
    Danke für deinen Einsatz für eine bessere Welt
    Phil

    1. Lieber Phil,
      danke für diese besondere und auch wichtige Frage.
      Ja ich finde sie herausfordernd…

      Wie ich persönlich mit dem Tod lieber Menschen umgehe ist mit Wertschätzung und Dankbarkeit für die Zeit, die ich mit ihnen verbringen durfte. Mit Dankbarkeit für die Veränderungen und die positiven Dinge, die sie angestoßen haben. Auch wenn ich bisher (neben den Großeltern) nur das Versterben von einer frühen Kindheitsfreundin mitbekommen habe, in deren Fall sie wirklich viel zu jung war, so war ich im Nachhinein unglaublich dankbar für die positiven Effekte, die sie auf mein Leben hatte – und das von anderen.
      Ich denke dies zu wertschätzen ist möglich, egal wie kurz das Leben war, dass die Person führen durfte.

      Mir selbst meine eigene Sterblichkeit vor Augen zu führen ist für mich tatsächlich auch eine sehr wichtige Erinnerung. Mein Leben ist endlich – und ich entscheide in jedem Moment, was ich hinterlassen möchte.
      Jeder Moment meines Lebens und das jedes anderen zählt. Jede gute Tat zählt, jedes herzliche Wort, jeder Anstoß.

      Diese Betrachtung hat zumindest mir selbst beim Verlust von lieben Menschen auch Hoffnung gemacht.
      Beantwortet das deine Frage?

      Viele liebe Grüße,
      Nathalie

  6. Hallo Nathalie!
    Mensch, das geht aber schnell :-).
    Danke für deine Antwort! Dankbarkeit für Empfangenes finde ich großartig! Auch das Bewusstsein der Endlichkeit zeigt innere Stärke. Dies sollten wir uns öfter in Erinnerung rufen und jeden Tag als ein Geschenk sehen!
    Dann finde ich diese Hoffnung doch aber auch ziemlich düster. Müssten wir es um auf es auf den Punkt zu bringen dann nicht sagen: Unsere sicherste Erwartung und damit auch unsere größte Hoffnung ist unser Ende. Tönt fast schon ketzerisch . Oder nicht?
    Als vor einigen Jahren meine Großmutter starb, erlebte ich bei ihr eine Hoffnung, die Trost gab. Viele waren damals voller Trauer, doch sie konnte sterben in der Hoffnung, dass damit nicht alles aus ist. Für mich war das ein Sterben, wie ich es mir auch wünsche.
    Dieses Jahr erlebte ich bei einer mir nahestehenden Person, wie das Leben einfach für sie nur noch einen Ausweg zu haben schien: Es zu beenden. Die betreuende Psychologin hatte für sie leider nicht viel Hoffnungsvolles übrig. Halt fand sie wieder in dem festen Vertrauen, dass Gott sie nicht loslässt. Selbst wenn wir ihn aus den Augen verlieren.
    Ich bin daher am Fragen ob man ein Hoffnungsvolles Leben führen kann, wenn wir es lediglich in unseren Händen halten. Es ist für mich eine Ehrliche Frage, wie wir mit Überzeugung von Hoffnung reden können, wenn die sicherste Erwartung die wir haben unser Tod ist. Keine Ahnung ob du verstehst was ich meine…

    Liebe Grüße
    Phil

    1. Hallo lieber Phil 🙂

      hihi, da hakst du direkt nochmal nach, danke für die spannende weitere Vertiefung unseres Themas!
      Mhhh, ich glaube, dass das Thema Tod extrem stark verdrängt wird, weil es uns genau an diese existenziellen Fragen heranführt. Das Ding ist: „Unsere sicherste Erwartung ist unser Ende“ – stimmt.
      Dass es unsere größte Hoffnung ist, habe ich jedoch nicht gesagt. Unsere Zeit bis dorthin ist unsere größte Hoffnung.
      Und da wir nicht wissen, wann dies sein wird, zählt jeder kostbare Moment unseres Lebens.

      Dein Satz „wenn wir uns lediglich in unseren Händen halten“ finde ich wunderschön.
      Und es ist vollkommener Quatsch, dass das so wäre oder sein könnte. Wir wissen nicht einmal, wie man atmet. Oder verdaut. Da ist so viel mehr am Werk.
      Auf rein wissenschaftlicher Ebene sind wir von so unendlich vielen Faktoren beeinflusst, von anderen Menschen, der Existenz der Erde und allem, was sie uns schenkt, bis hin zu Sonnenstürmen und unserem Abstand zum schwarzen Loch in der Mitte unserer Galaxie.
      Wir haben keine Ahnung 😀
      Aber was sicher ist: Wir werden gehalten. Jetzt in diesem Atemzug.
      Und wir können ausprobieren was passiert, wenn wir diesem „Halten“ beginnen zu vertrauen und zB mit weniger Widerstand die nächste Krise annehmen. Oder mit mehr Mut Optionen ergreifen, die sich uns zeigen.
      Wie wir es nennen finde ich dabei weniger wichtig und potentiell eher trennend, als hilfreich.

      Was meinst du dazu? 🙂

      Viele liebe Grüße,
      Nathalie

  7. Liebe Nathalie,
    gefällt mir sehr gut unser Austausch hier und ich finde es wirklich spannend! Danke für deine Antwort! Es ist für mich erstaunlich, wie offen du dem Gedanken zustimmen kannst, dass unsere sicherste Erwartung das Ende, der Tod ist. Das findet man selten und doch ist es so.
    Nun wird es jedoch spannend, was die Hoffnung angeht. Zumindest laut Duden ist Hoffnung die „positive Erwartung, die man in jemanden oder etwas setzt“. Je nachdem ob man den Tod positiv sieht oder nicht, müsste man dann auch sagen, die sicherste (größte) Hoffnung ist das Ende .
    Damit ist die Frage schon ganz schön von Bedeutung, was kommt denn am Ende. Ist es positiv oder ist einfach alles vorbei. Wenn nichts so sicher ist wie der Tod, dann müssten wir doch alle dieser Frage mehr nachgehen, kann ich dann was positives erwarten, oder muss ich wie du schreibst einfach die Zeit hier mit der größten Hoffnung füllen. Nun ich meine das eine schließt das andere nicht aus.
    Es scheint mir, dass der Gottesbegriff dir nicht so gefallen hat und das kann ich verstehen. Doch ich denke du bist mit mir einige, die entscheidende Frage ist eher wie wir ihn füllen. Ich vermute stark wir beide füllen diesen ganz unterschiedlich. Vielleicht sprichst du nur ungern von Gott, doch ich meine jeder von uns hat einen. Nur nennen wir ihn anders, füllen den Begriff ganz unterschiedlich. Wer oder was unser Gott ist können wir wie ich meine an einer einfachen Frage festmachen. Sie lautet: Wer oder was gibt mir halt und Sicherheit im Leben? Damit drehen wir uns dann schon wieder stark um das Thema Hoffnung. Für mich persönlich ist diese Frage nach Hoffnung sehr entscheidend. Denn nur ungern überlasse ich die Frage nach Sinn und Halt dem Zufall. In meinem letzten Beitrag, habe ich dir von meiner Oma geschrieben. Sie hatte eine Hoffnung die nicht mal auf dem Totenbett zusammengebrochen ist. Auch wenn ich hier von Gott geschrieben habe: verraten habe ich damit noch nicht, wer oder was für die der sichere Anker und der feste Halt im Leben war .
    Gerne bin ich bereit hier auch noch persönlicher zu werden und von mir zu berichten. Doch ich weiß nicht ob das hier im Forum erwünscht ist. Mir macht der Austausch Spaß, doch irritieren oder langweilen möchte ich niemanden. Daher wünsche ich vorerst ein schönes WE und danke dir für deine Zeit!
    Phil

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