Wege aus der Krise – Zum Kern und hinaus

Mit diesem Artikel möchte ich zu Hoffnung inspirieren.
Hoffnung, dass Krisen lösbar sind. Hoffnung sogar, dass die größte Krise, vor der wir gerade stehen, lösbar ist.

Wie finden wir eine hilfreiche Antwort auf persönliche Krisen? Und auf die Krise in der wir als Menschheit, wie auch als Erdlinge stecken? Gibt es überhaupt Wege da raus? Gibt es Hoffnung?

Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir an den Kern des Problem ran… Und wie man sich vorstellen kann, ist der nicht unbedingt angenehm, wenn der solch eine Zerstörungkraft hat, dass er uns und unsere Lebensumstände, oder sogar das ganze Ökosystem aus den Latschen haut. Tatsächlich hat er diese Zerstörungskraft, weil er so unangenehm ist und weil wir so selten (viele gar nicht) wirklich hinschauen.

Aber nur, wenn wir den Kern der Krise erkannt haben, haben wir irgendeine Chance, sie tatsächlich zu aufzulösen. Und das Schöne ist: Die Wege da raus sind tatsächlich direkt erfüllend <3 Viel erfüllender als alle Versuche, die am Kern vorbeigehen.

 

Der Kern der Krise

Um Krisen zu beschreiben, werden vor allem Begriffe gebraucht wie: „Ehekrise“, „Midlife Crisis“, „Weltschmerz“ oder „ökologische Krise“. Es gibt auch hilfreichere Begriffe (Sinnkrise, Burnout), die ein klein wenig präziser sind.

Die meisten Begriffe halte ich jedoch nicht nur für unpräzise oder sogar falsch, sondern vor allem für schädlich – weil sie irreführend sind. Nehmen wir das Beispiel der ökologischen Krise. Mit diesem Begriff richten wir uns nach Außen und beschreiben lediglich ein Symptom der Krise. Die Krise liegt aber nicht in der Natur. Es ist eine menschliche Krise. Die Natur antwortet auf die Krise – aber an die Wurzel (und damit an tatsächliche Wege aus der Krise) kommen wir nicht im Außen. Dafür müssen wir nach Innen schauen.

Das wirklich Spannende daran aber ist, dass es uns selbst damit am allerschlechtesten geht.

  • Noch nie waren die psychologischen Erkrankungen so gehäuft wie heute.
  • Noch nie waren wir so entfremdet von uns selbst und voneinander.
  • Noch nie gab es so viel Einsamkeit und innere Leere, und das trotz materiellem Überfluss.

Die menschliche Krise, in der wir stecken, hat nicht nur den Kollaps unserer Lebensgrundlage zur Folge. Sie bedingt auch viele der „kleinen“ persönlichen Krisen, in die wir so geraten.

Die wirklich wichtige Frage ist also: Was ist die Wurzel, der Kern dieser Krise?

Einen Blick tiefer

Prüfe es einmal an einer Krise, die du selbst erlebt hast, oder auch an der Zerstörung der Natur, wenn sie dich ebenfalls im Herzen berührt:

  • Was hast du instinktiv als erstes getan, als die Krise auftauchte?
  • Welche Gefühle lagen hinter deinem Handeln?
  • Aus welcher Wurzel entsprangen diese Gefühle?

Wut, Aggression, Angst, Trauer, Haben-wollen und Gier, Vermeidung, Unsicherheit, Verzweiflung entspringen im Kern einem ganz grundlegenden Gefühl von Mangel. Irgendetwas fehlt, irgendetwas ist noch nicht so, wie es sein sollte, tief in uns drin fühlen wir uns nicht vollständig, nicht ganz, nicht wirklich sicher, angekommen, aufgehoben.

Und das tut verdammt weh.

Die Gefühle dabei sind nicht falsch. Sie wollen uns auf etwas hinweisen – nämlich darauf, dass wir gerade nicht in der Fülle sind. Die entscheidende Frage ist, wie wir versuchen, wieder in die Fülle zu gelangen – und nicht den Mangel zu spüren.

Handeln aus dem Mangel

Es tut weh in uns, dieser Mangel – und daraus erwachsen natürlich Versuche, diesen Mangel zu füllen. Die allerwenigsten Strategien sind dabei hilfreich (auf die komme ich am Ende zu sprechen).

Es gibt zwei grobe Arten von Strategien, mit diesem Mangel umzugehen:

  1. Aktiv: Wir versuchen den Mangel zu füllen
  2. Passiv: Wir versuchen uns vom Mangel abzulenken

Die erste Strategie führte zur Entdeckung der hedonistischen Tretmühle. Wir jagen Zielen, äußerer Wertschätzung, Liebe im Außen oder dem nächsten Schokokick hinterher, um glücklicher zu werden – tatsächlich sinkt kurz danach unser Glückserleben jedoch wieder auf das Ausgangniveau zurück. Auch nach der Hochzeit oder der Beförderung. Diese Strategie lässt uns zwar kurzfristig eine Ahnung von Fülle erleben, aber sie führt nicht zum eigentlichen Ziel: Ein langfristiges Erleben von Fülle aufzubauen.

Je nach Temperament und Kontext kann diese Strategie auch extrem destruktive Formen annehmen. Von Konkurrenzkampf über Ausbeutung anderer und unserer Mitwelt bis hin zu Gewalttätigkeit in Wort und Tat.

Die zweite Strategie lullt uns ein und lässt uns in eine Art Trägheit und Antriebslosigkeit sinken. Typische Ablenkungsmanöver finden wir überall da, wo wir anderen zuschauen, anstatt selbst aktiv dabei zu sein (Serien, Sport-Spiele, aber auch eigene Fantasieszenarien). Sogar die Motivation zu meditieren kann darin wurzeln. Tue ich es, um mich „auszuknocken“? Oder um stärker, klarer, liebevoller in die Welt zurück zu kehren und tätig zu werden?

Mit beiden Strategien geht es uns weiterhin auf existenzieller Ebene mangel-haft.

 

Die gute Nachricht

Wenn es uns selbst damit am schlechtesten geht, dann werden wir selbst auch als Erste*r davon profitieren, wenn wir die Wurzel der Krise angehen.

Denn der Wunsch nach Glück, nach Fülle, nach angekommen sein, nach Zufriedenheit ist nicht das was falsch ist. Diese Sehnsucht danach hätten wir nicht, wenn es diesen Zustand nicht gäbe.

Es gibt Wege in mehr Fülle.

Wir setzen nur am falschen Ort an. Solange wir dem Mangel ausweichen oder ihn versuchen zu füllen, halten wir ihn aufrecht, verstärken ihn sogar. Was also könnte ein gangbarer Weg sein?

Wege aus dem Mangel

Ich will ganz ehrlich sein: Das Erleben von Mangel wird mit Sicherheit immer mal wieder auftauchen. Und vielleicht geht es auch gar nicht darum es wegzuzaubern.

Der entscheidende Punkt ist, dem Mangel die Macht über uns zu entziehen. Ihm seinen Schrecken zu nehmen. Und uns für Fülle zu öffnen. Denn wenn wir aus dem Mangel handeln, erschaffen wir noch mehr davon.

Vorsorgende Strategien

Mit diesen Strategien ebnen wir unsere Verbindung zur Fülle – sodass uns der Mangel nicht ganz zu stark treffen kann, wenn er aufkommt. Sie sind mit einem Luftkissen vergleichbar. Gut gefüllt sinkt es bei zusätzlichem Gewicht natürlich etwas ein. Aber du bist nicht direkt am Boden. Du kannst heute damit beginnen, sie einzusetzen.

Fülle-Erinnerung
Ich lade dich ein, dich an Momente zu erinnern, in denen du in der Fülle warst. Vielleicht Momente in der Natur, Momente der Inspiration, Momente, in denen Ideen aus dir sprudelten oder du ohne einen besonderen Grund tief zu-frieden warst. Lass diese Momente aufleben. Und schreibe sie auf. Damit beginnst du dein Erfahrungswissen zu stärken, dass Fülle da ist.

Fülle entdecken
Frage dich: Wo kann ich jetzt gerade Fülle entdecken? Schau dich um, ganz in Ruhe. Horche dann in dich hinein. Wo ist dort Fülle? Gehe in Verbindung mit allem, was du innen wie außen entdeckst. Wertschätze diese kleinen und großen Dinge.

 

Notfall-Strategien

Es ist passiert und du sitzt mitten drin im Mangel. Was bereits grandios ist und vielleicht der wichtigste Schritt: Dass du es bemerkst. Ganz bewusst bemerkst: „Hui, jap… Da ist Mangel.“ Und was dann? Es gibt hilfreiche Strategien, auch dort raus.

Liebe tanken
Was viele von uns bereits intuitiv tun ist, einen lieben Menschen anzurufen oder ihm zu schreiben. Tu das. Kontaktiere jemanden, von dem du weißt, dass er dich lieb hat. Als ich einmal eine Freundin anrief, als ich in der Krise steckte, nahm sie ab und sagte: „Hammer! Du rufst in der einzigen freien Viertelstunde an, die ich heute habe. Wie schön dich zu hören – was gibt’s?“ Und diese Viertelstunde war ausreichend, um mich von totaler Verzweiflung wieder mit etwas Fülle in Kontakt zu bringen: Da war Anni und sie war für mich da! Liebe tanken wir außerdem in der Natur. Was sind deine Wege, Liebe zu tanken?

Was würde ich tun, wenn…?
Wenn du mutig bist (oder den Papp auch einfach auf hast, von diesem ganzen Mangelteufelskreis), frage dich: „Was würde ich tun, wenn ich bereits in der Fülle wäre?“ Hier geht es nicht darum, deine Gefühle zu negieren, oder den Mangel zu unterdrücken. Er kann noch immer spürbar sein. Und doch findest du mit dieser Frage die Richtung, in die dein Herz und der größte Herzensmut, der in dir schlummert, eigentlich möchte. Die Richtung, in die tatsächlich Fülle liegt. Und auch wenn deine nächste Handlung dann nicht gleich von Fülle durchdrungen ist, besteht doch eine große Chance, dass etwas weniger Mangel und etwas mehr Fülle mitschwingen wird.

Dem Schmerz begegnen
Wollen wir wirklich den Mangel auflösen, Schicht für Schicht, führt kein Weg daran vorbei, tatsächlich dem Schmerz auch zu begegnen. Das müssen wir nicht in jedem Mangel-Moment tun. Aber gleichzeitig haben wir enorme Selbstheilungskräfte für inneren Schmerz. Und die können wir mit etwas Raum aktivieren. Den Weg dazu findest du im Blogartikel „Selbstheilungskräfte für seelischen Schmerz aktivieren“.

 

Meine Überzeugung ist, dass der Mangel den jeder von uns in sich spürt, die Ursache dafür ist, dass wir unsere wunderschöne Erde zerstören. Und meine Hoffnung ist, dass wir den Schaden noch begrenzen können, indem wir

  1. Kontakt zur Fülle stärken – in uns und anderen
  2. Dem Mangel hilfreich begegnen – und andere dabei unterstützen, dies ebenfalls zu tun.

 

Mit Hoffnung,

Glücklich sein

One Comment on “Wege aus der Krise – Zum Kern und hinaus”

  1. Liebe Nathalie, danke für diesen Artikel. Ich war sehr gespannt, was „Dein“ Kern der Krise ist, denn ich habe mit meinem Paradiesbaum ja auch einen ganz klaren, den einzigen und logischen Kern jedes Verhaltens ausmachen können.
    Du nennst diesen Kern den Mangel, das Mangelempfinden, -erleben, -denken.
    Und ja tatsächlich ist es durchaus auch das, was ich im Paradiesbaum ganz unten in der Wurzel habe, es aber doch ganz anders nenne.
    Bei mir heißt es: „Wenn ich etwas möchte/will/mir wünsche und es nicht bekomme, dann stoße ich an eine Grenze und nehme mein persönliches Können in dem Moment nicht wahr“.
    Und da das Selbstwertgefühl das Wahrnehmen des persönlichen Könnens ist, habe ich also folgerichtig in dem Moment auch ein geringes Selbstwertgefühl.
    Das sind meine Worte und wenn wir es genau betrachten, ist es auch das, was Du sagst. Denn wenn ich meinen Wunsch nicht erfüllt und meinen Willen nicht bekomme, dann bin ich wirklich in diesem Moment im Mangel.
    Im Paradiesbaum geht es weiter mit der Logikkette, dass ich wieder dahin kommen muss, mein persönliches Können wahrnehmen zu können. Das bezeichnest Du mit „in die Fülle komme“. Passt!

    Interessant, dass so unterschiedliche Begriffe doch dasselbe aussagen können.
    Danke für den Gedankenanstoß!
    Christiane Kilian von paradiesbaum.de

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