L(i)ebe jeden Tag – Gedanken zum Sterben

Ein weiteres Jahr neigt sich dem Ende zu und nicht nur die Vergänglichkeit von Jahren und Lebensphasen, sondern auch unsere eigene Vergänglichkeit klopft auf verschiedenen Wegen bei mir an.

 

So viel Liebe in die Welt gebracht

Vor ein paar Tagen erreichte mich die Nachricht, dass ein Mensch verstorben ist, den ich aus Kindheits- und Jugendtagen kenne. Diese Person hatte es nicht leicht, hat viel von Blödeleien, verbaler Aggressivität und Lästereien abbekommen.

Durch eine gemeinsame Freundin habe ich mich vor zweieinhalb Jahren mit diesem Menschen zum Mittagessen getroffen. Freudestrahlend erzählte er mir von der Rasselbande, die sie im Kinderheim betreute, den Kuschelabenden auf dem riesigen Gemeinschaftsofa, den liebevollen Geburtstagsgeschenken und wie er manchmal klar durchgriff und wenig später ein Streit bereits vergessen war.

All diesen Kindern hatte dieser Mensch mit seiner Arbeit ein Zuhause gegeben.
So viel Liebe, die diese Person gegeben hat!

 

Ein Leser fragte mich vor 10 Tagen in einem Kommentar, wie es Hoffnung geben kann, wenn wir doch sterben. Gerade wenn junge Menschen sterben.
Ich weiss es nicht.

Ich weiss nicht, wie die Trauer über einen solchen Verlust überwunden werden kann.

Aber ich weiss, dass dieser Mensch Liebe in die Welt gebracht hat.
Ich weiss, dass diese Person alles für Ihre Schützlinge bedeutet hat.
Ich weiss, dass sie ein zutiefst bedeutungsvolles Leben geführt hat.

 

Dieses kostbare Leben

Und erneut wurde ich mit Wucht daran erinnert: Jeder einzige Atemzug ist kostbar.
In Carlos‘ Armen zu liegen ist ein unwiderbringlicher Moment. Mit einer Freundin zusammen zu sein, ist ein Geschenk, von dem ich nie wissen kann, wann ich es das letzte Mal genießen darf.

Meine Schlussfolgerung: Jeder Moment meines Lebens und das jedes anderen zählt. Jede gute Tat zählt, jedes herzliche Wort, jeder Anstoß.
Und das, was in diesem Leben am meisten zählt, ist, Liebe in die Welt zu bringen.

Dabei ist weniger entscheidend, was wir genau machen. Ich erinnere mich an einen Pommesverkäufer, der mir an einem wirklich schwarzen Tag ein herzliches und humorvolles kleines Gespräch schenkte. Das hat damals meinen Tag gerettet.

Entscheidend ist, mit wieviel Herz, mit wieviel unserer Präsenz und mit wieviel Liebe wir jetzt gerade diesen Moment leben.
Entscheidend ist all die Liebe, die uns andere geschenkt haben.

 

Die Lieben feiern

Nun steht bald das Fest der Liebe von der Tür. Ein Fest, wo wir Liebe, Zusammengehörigkeit und Licht in dunklen Jahreszeiten feiern.

„Jedes Leben das entsteht, trägt sein sicheres Ende in sich“ – Shai Tubali

 

Wofür bist du den Menschen in deinem Leben dankbar?
Was hat einen Menschen für dich ausgemacht, der bereits von uns gegangen ist?

Wenn du möchtest, teile deine Herzensgedanken und deine Erlebnisse.
Ich freue mich sehr auf sie.

 

… und wünsche dir eine Zeit, in der Leuchtpunkte und Lichtschein in dein Leben fließen, auch wenn es gerade sehr sehr dunkel ist.

Alles Liebe,

Glücklich sein

11 Comments on “L(i)ebe jeden Tag – Gedanken zum Sterben”

  1. Ich glaube, Abschied nehmen tut deshalb so weh, damit wir spüren das echt war !
    Je stärker ein Verlust schmerzt, umso mehr war dieses Herz mit dem eigenen verwachsen.

    Ich erlebe zurzeit auch immer wieder Schmerz und auch Trauer, der aber immer wieder von Kampf, Zuversicht und Hoffnung in den Schatten gestellt wird.

    Meine Freundin und ich haben Kaninchen…
    Man muss aber verstehen, das diese Kaninchen für uns Familie sind, sprich der Schmerz beim Verlust eines dieser Tiere, lässt für uns auch kurz der Boden wegbrechen…

    Natürlich fängt man sich anschließend schneller wieder, als wenn man einen geliebten Menschen verliert,
    dennoch ist die Trauer und auch der Schmerz genauso echt.

    Kaninchen können leider von jetzt auf gleich richtig lebensbedrohlich krank werden und dann heisst es kämpfen.
    Manchmal gewinnt man, manchmal auch nicht…

    Wir haben jetzt rückblickend auf das vergangene Jahr 2 unserer Babys verloren.
    Einmal Krebs, einmal eine Magenkolik…

    Momentan auch noch 2 weitere Krankheitsfälle die wir behandeln.

    Klar kann man sagen, soviel Aufriss wegen Kanickel…
    Andererseits sag ich,
    Tiere können einem soviel geben,
    da ist es nur fair, in schweren Zeiten auch an ihrer Seite zu sein.

    Man kann auch diesbezüglich viel von ihnen lernen.

    Sie machen sich nämlich nicht soviel Gedanken wegen Morgen, oder gestern…
    Sie leben heute und sind jetzt glücklich.
    Genau das, was wir alle viel zu oft vergessen.

    Keiner weiss wann es vorbei ist,
    Deswegen, lebt jetzt und schiebt nicht zuviel vor euch her !

    Es ist nämlich nur ein Tag an dem wir sterben und an allen anderen, leben wir !

    Mfg Ralf

    1. Lieber Ralf,
      ganz herzlichen Dank für deine Gedanken.
      Die Liebe, Würde und Bedeutung, die mehr als nur menschliche Wesen umfasst und durch deinen Kommentar hindurchscheint, weiß ich sehr zu schätzen und ich bin dir sehr dankbar dafür. Jedes Leben ist kostbar 🙂
      Und jedes Leben verdient unsere ganze Liebe – die mit Tränen Abschied nimmt.
      <3 Ich wünsche dir einen erfüllten und vollständig gelebten und dennoch nicht überfüllten Advent.
      Alles Liebe,
      Nathalie

  2. Ich hab mit 8 Jahren meinen Bruder verloren, da war er gerade mal 12. All diese „Postkartensprüche“ – so wahr sie auch sein mögen – bringen ihn nicht zurück. Was bleibt, ist die Erinnerung und eine Art Bürde. Denn man selbst durfte weiterleben. Dieses kostbare Geschenk möchte man wertschätzen und „menschlich und vom Erfolg her immer das bestmögliche abliefern“, um es auch zu rechtfertigen… so ging es mir jedenfalls lange. Das war falsch gedacht, weiss ich heute. Es hat mich kaputt gemacht. Zudem: Vielleicht ist ja der Tod wirklich eine Erlösung, ein Ticket ins Bessere… und wir haben hier noch weiter unser Päckchen zu tragen, bis es soweit ist? Auf jeden Fall sollten wir der Trauer auch den nötigen Raum geben. Nichts verdrängen oder schönreden. Abschied ist fast immer sch*isse. Und wie der stürmische Herbst und kalte Winter den duftenden Frühling und den warmen Sommer erst kostbar machen, so macht die gelebte Trauer erst die gelebte Freude wirklich wertvoll.

    1. Lieber Tim,
      dein Beitrag hat mich sehr berührt – danke dafür!
      Der Verlust deines Bruder und auch die Dynamik, die sich daraus in dir entwickelt hat, klingen nach sehr großen „Päckchen“. Umso wichtiger und authentischer ist deine Erkenntnis: Mitten durch die Trauer zu gehen und sie voll zu erleben.
      Ich wünsche dir viele kleine und größere wertvolle Freude-Momente, auch jetzt, im Winter.
      Alles alles Liebe,
      Nathalie

  3. Liebe Natalie,
    Antwort auf deine Fragen:

    Wofür bist du den Menschen in deinem Leben dankbar?
    Für Respekt,- liebevolle Begegnungen; dass ich so sein kann, wie ich bin; Großzügigkeit; Hilfsbereitschaft; Freundschaft uvm……

    Was hat einen Menschen für dich ausgemacht, der bereits von uns gegangen ist?
    Das er mir Liebe geschenkt hat und zwar soviel, dass ich überleben konnte. Es war mein Opa, er ist vor 37 Jahren verstorben und ich spüre heute noch die Liebe, die uns verbunden hat. Dafür bin ich unendlich dankbar.

    Ich sende dir von Herz zu Herz Liebe und Kraft, Nadja

    1. Liebe Nadja,
      ganz herzlichen Dank für deine Anteilnahme und das Teilen deiner Verbindung zu deinem Opa und seiner lebensrettenden Liebe… Beim Lesen merkte ich ein tiefes Berührt-Sein und ein direktes mitschwingen mit deiner Dankbarkeit.
      Es sind diese Menschen, die dieses Leben wunder-voll machen.
      Ganz herzlich,
      Nathalie

  4. Ich bin dankbar, dass ich sie hatte…meine Oma, meinen Papa, meinen kleinen Sohn und meine Mama..so viele Tränen…aber alle aus Liebe.

    1. Nun habe ich Tränen in den Augen. Möge dich ihre Liebe dein Leben lang begleiten. Und möge dich deine Liebe zu ihnen stärken.
      Ich umarme dich, Nathalie

  5. Liebe Nathalie,
    ich bin dankbar ….
    …. für die Zeit, die ich mit lieben Menschen gemeinsam verbringe, die ich mit ihnen teile, die sie sich für mich nehmen,
    …. für die Zeit der kleinen und großen Begegnungen, bei denen ich Respekt, Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, Liebe, Anteilnahme, Unterstützung spüre und erhalte,
    …. für die Zeit mit anderen Lebewesen, mit der Natur, mit allem, was mein Herz anfüllt und Licht in mein Innerstes bringt.
    Denn diese Zeit ist Teil *meiner* Lebenszeit, einer wertvollen, kostbaren aber auch begrenzten Zeit. Das Ende kann überraschend schnell kommen – und jeder Mensch, der um jemanden trauert, erlebt seine individuelle Trauer. Aber irgendwann am Ende der Trauerarbeit, die man als Erwachsener leisten kann, ist es möglich, alles Negative, Belastende abzustreifen und durch die verbleibenden schönen Erinnerungen gestärkt und erhellt weiter auf dem Fluß des Lebens zu fahren.
    Vor kurzem ist meine Mutter verstorben. Für mich bleibt aus den letzten Jahren besonders in Erinnerung, dass sie trotz des wenig erfreulichen Heimaufenthalts glücklich war mit etwas Aufmerksamkeit, mit ein paar freundlichen Worten, mit ein wenig Zeit, die sie mit anderen verbringen konnte – und vor allem, wenn sie mit anderen lachen konnte.
    Daher finde ich folgende Zeilen von Saint-Exupéry so passend:
    „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust,
    wird es dir sein, als lachten alle Sterne,
    weil ich auf einem von ihnen wohne,
    weil ich auf einem von ihnen lache.“

    Möge das Lachen und die Freude zu allen Trauernden wieder zurückkehren 🙂

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