Unentschlossenheit – Wie du mehr Klarheit findest

Kennst du diese diffusen Phasen von Unentschlossenheit? Eine Frage, bei der du nicht weiterkommst, eine Entscheidung in der du ziemlich schwankst, ein freier Sommer, in dem du dich fragst, für welche Möglichkeit du dich nun entscheiden sollst, eine temporäre oder auch generelle Ziellosigkeit, die dir zu schaffen macht – all das kann Unentschlossenheit sein.

Wie können wir mit dieser Unentschlossenheit umgehen und wieder mehr in die Klarheit finden? Hier teile ich mit dir, was meine Entdeckungen zu dem Thema sind und was mir hilft, mich wieder mehr zu zentrieren.

Individuelle oder kollektive Unentschlossenheit?

Ich war von diesem Zustand ehrlich gesagt überrascht, als er in den letzten paar Wochen auch bei mir immer wieder anklopfte (und, wie du vielleicht weißt, nicht höflich wartet, ob ich „Herein“ sage, sondern direkt mitten im Raum steht und sich ausbreitet). Und je mehr ich darüber mit anderen spreche, desto öfter höre ich „Das geht mir auch so“.

Gibt es so etwas wie kollektive Ratlosigkeit? Es liegt sehr nahe, dass Unentschlossenheit ein fast unausweichliches Thema in diesem aktuellen gesellschaftlichen Schwebezustand ist, nach so viel starker Veränderung.

Und deshalb ist das Erste, wozu ich dich einlade, ein liebevolles Anerkennen von dem, durch was du ganz individuell durchgegangen bist in der letzten Zeit. Selbst wenn du die Zeit eher als positiv und bereichernd empfunden hast, können starke Veränderungen uns dennoch innerlich ins Ungleichgewicht bringen. Denn unser System mag keine Veränderung, zumindest keine, die wir nicht kontrollieren können.

Was Unentschlossenheit ist

Für mich fühlt Unentschlossenheit sich an wie ein Verharren, manchmal fast wie eine Starre: Widerstreitende Kräfte, die einen auf der Stelle halten. Auch wenn dabei eine rastlose Geschäftigkeit eintreten kann, ist diese eher ziellos, wirr und unerfüllend. Und am Ende des Tages bemerkt man: Ich bin genau am gleichen Punkt, es hat sich überhaupt nichts grundlegend bewegt. Möglicherweise habe ich mich eher noch etwas tiefer in die Unentschlossenheit hinein verstrickt, wie in einen riesigen Wollknäuel, der bei ziellosen, wirren Bewegungen eher noch wirrer wird, als dass er sich ein wenig auflöst.

Was liegt nun hinter diesem inneren diffusen Nicht-Wissen?
Wie kann es überhaupt Fuß fassen in uns für längere Zeit?
Meine persönliche Erfahrung ist, dass diese Unentschlossenheit auf einer diffusen, wenig greifbaren Angst basiert. Es kann schwer sein, sich das einzugestehen. Ich hab es zugleich auch als befreiend erlebt – denn wenn wir wissen, was wirklich los ist, können wir auch genau da ansetzen und beginnen, uns aus dem verlorenen Herumtrudeln herauszuholen.

Diese Angst kann viele Gesichter haben. Angst:…

  • etwas zu verlieren
  • etwas zu verpassen
  • die falsche Entscheidung zu treffen
  • alleine zu sein
  • keine Ruhe zu haben
  • die Kontrolle zu verlieren
  • die Verantwortung zu übernehmen
  • jemanden zu enttäuschen
  • etwas zu riskieren
  • auf der Stelle zu treten

Im Endeffekt ist das zweitrangig. Die vorrangige Sache ist: Wie kann diese Angst in Fluss gebracht oder verändert werden? Denn – eine liebe Freundin erinnerte mich daran – Angst ist kein guter Ratgeber für Entscheidungen. Die letztendliche Frage ist immer:
Entscheidest du aus Liebe oder aus Angst?

Wie du wieder mehr Klarheit findest

Zunächst mal mag ich dich einladen dir bewusst zu machen, dass du bereits weißt, wie sich Klarheit anfühlt. Du hast sie bereits erlebt, gelebt und danach gehandelt. Welche Phasen deines Lebens fallen dir da ein?

Es war für mich tiefgreifend stärkend, dass am Freitag mein Buch „Was glückliche Menschen anders machen“ seinen einjährigen Geburtstag gefeiert hat. Denn das hat mich daran erinnert, dass ich auch sehr klare Phasen kenne, die sich wundervoll lebendig angefühlt haben. Am 18.08. feiere ich den Buchgebrststag übrigens mit der happyroots-Community 🙂 Hier geht’s zur Glücksfeier.

Nun hatte ich die (weniger angenehme) Gelegenheit zu experimentieren, wie ich aus diesem verharrenden Zustand der Unentschlossenheit herausfinde und sich dadurch natürlicherweise auch mehr Klarheit öffnet. Die folgenden drei Dinge, die ich „Mikroübungen“ nenne, haben mir dabei am meisten geholfen. Wenn du unentschlossen bist, welche dich am meisten anspricht (manchmal überlagert dieses Gefühl ja wirklich alles), ist die erste das, was gerade am wichtigsten ist.

Mikroübung 1: Kontakt zu dir selbst

Druckfreier, tiefer Kontakt zu dir selbst ist das, was bei Unentschlossenheit nicht mehr richtig zugänglich ist. Wenn Unentschlossenheit auf Angst basiert, ist zugleich ein wichtiger Schlüssel, dass du dir ermöglichst, dich wieder (etwas) sicher(er) zu fühlen.

Deshalb schaffe dir jetzt – beim lesen – einen liebevollen, zärtlichen, sicheren, druckfreien Mikro-Kontakt-Raum zu dir selbst.

Lege jetzt, beim Lesen, eine Hand auf deinen Körper.
Schau mal, wo das angenehm ist – auf deinen Herzbereich, deinen Bauch, deine Schulter, deine Wange…
Spüre die liebevolle Berührung.
Atme bewusst ein uns aus.
Spüre den Kontakt, den du gerade mit dir selbst schließt.
Lass ihn noch ein klein wenig zärtlicher, liebevoller werden.
Und vielleicht kommen gerade Gefühle auf.
Vielleicht löst sich Traurigkeit, Verzweiflung oder Hilflosigkeit und fließt als Tränen ab.
Vielleicht tauchen angenehme Gefühle auf, wie ein klein wenig Geborgenheit, Trost, Orientierung, Ent-spannung.

Genieße diesen 2-Minuten Raum mit dir. Und vielleicht stellst du fest: Joa, unter der Dusche, vor dem zubett gehen, beim aufwachen, in der Warteschlange – kann ich das wiederholen.

Mikroübung 2: Fließen lassen

Ganz oft tauchen Druckgedanken von „Ich muss jetzt Klarheit finden!“ auf.
Ja, da ist dieser große, unendlich verständliche Wunsch nach Klarheit in dir. Und dein System präsentiert dir gerade alte Muster und Ängste, die deine Klarheit überschatten (hier kannst du mehr zu alten Mustern lesen und wie wir liebevoll mit ihnen umgehen können).

Das unangenehme Gefühl von Unklarheit und zugrundeliegender Angst wollen wir selbstverständlich nicht haben. Das heißt wir machen uns eng, ziehen uns zurück und bauen einen inneren Widerstand auf, der körperlich spürbar ist. Wenn wir diesen Widerstand behutsam rausnehmen, ein Stückchen davon zurücktreten, können die Gefühle ein klein wenig fließen. Alle schwierigen Gefühle wollen im Endeffekt nur Eines: Wahrgenommen werden, fließen und sich lösen.

Wenn du dich in dieser Arbeit mit dir selbst sicher fühlst, nimm sanft Kontakt auf zu der Körperstelle, an der du die Unentschlossenheit, das Verharren, die sich widerstreitenden Kräfte am deutlichsten wahrnimmst.
Dann tritt innerlich ein kleinen Schritt zurück.
Nimm ein klein wenig Widerstand heraus…
Sage ja zu den Gefühlen, welche auch immer gerade auftauchen mögen.
Und lasse sie sanft und behutsam durch deinen Körper hindurchströmen und sich lösen.

Wenn du dir Begleitung in deiner Gefühls- und Blockadenarbeit wünschst, unterstütze ich dich gern.

Mikroübung 3: Mikro-Abenteuer

Letzte Woche bin ich auf dieses wundervolle Wort „Mikroabenteuer“ gestoßen. Im Utopia-Blog wurden sie als Tagestrips anstelle des Sommerurlaubs vorgestellt. Ich lade dich ein, dieses Wort noch mikro-mäßiger zu betrachten: Das Abenteuer in deinem nächsten Moment! <3

Ein Buch aus dem Regal ziehen, aufschlagen & eine Seite lesen.
Das Fenster öffnen und dir die Sonne auf Bauch oder Rücken scheinen lassen.
Dich mit sanften, kleinen Bewegungen genüsslich räkeln und spüren, wie dein Körper sich jetzt gerade am liebsten bewegen mag.
Barfuß über Gras & Erde (oder auch einfach mal die Straße) laufen.
Auf einen Baum klettern.
Eine Hummel beobachten.
Etwas ganz anderes Kochen.
Auf einem Spielplatz schaukeln oder rutschen gehen.
Das HomeOffice ins Café verlegen…
Und wie schmeckt eigentlich eine Mirabelle? Also so richtig? Wenn du ganz da bist?

Mache dir bewusst:
Einen tiefen und ganz präsenten Atemzug zu nehmen ist bereits ein gigantisches Abenteuer. Du lebst. Du bist jetzt gerade in einem lebendigen Körper, der einfach so atmet – und noch dazu vor ein paar Minuten in ziemlich unangenehmen Gefühlen gesteckt hat. Was wenn sogar diese unangenehmen Gefühle Mikro- (ok, vielleicht auch Makro-)Abenteuer sind?

Wenn wir in Kontakt kommen mit unserer Lebendigkeit, mit unserer Abenteuerlust, und diesen stärkenden Aspekten in uns einen Mikroschritt entgegengehen, öffnet sich ein Raum, der das Verharren in der Unentschlossenheit schmelzen lässt.
Unsere Lebensfreude, unsere Energie kommt wieder mehr in den Fluss – und wenn wir dies nicht als Ablenkung nutzen, sondern dafür, mehr in Kontakt mit uns selbst zu kommen, dann besteht die Chance, dass sich Klarheit öffnet. Weil wir zu der Angst, die der Unentschlossenheit zugrunde liegt, eine andere Haltung entwickeln: Die Haltung der Abenteuerlust.

Entschlossen unentschlossen

Und zum Schluss: Gib dir Raum.
Was wäre, wenn es jetzt gar nicht darum geht, etwas zu entscheiden?
Sondern darum, die Gefühle fließen und gehen zu lassen, die da sind?
Tatsächlich kann es gerade gar nicht darum gehen, etwas zu entscheiden, wenn du die widerstreitenden Kräfte in dir noch nicht ganz gespürt und ihnen noch nicht ganz erlaubt hast, sich ein klein wenig zu lösen.
Denn gute Entscheidungen treffen wir nur dann statt, wenn wir den Mut haben, wirklich hinzusehen und zu fühlen, was gerade da ist. (Jap, deswegen gibt es so viele bedepperte Entscheidungen da draußen, bei denen man sich echt nur an den Kopf fassen kann).

Was wäre also, wenn alles genau so richtig ist, wie es jetzt gerade ist?
Wenn du genau da bist, wo du gerade sein solltest: Am Beginn vom fühlen?
Und wenn du den nächsten Moment mit ein klein wenig Abenteuerlust angehst?

Ich wünsche dir entschlossenen Herzens alles Liebe,
Glücklich sein

One Comment on “Unentschlossenheit – Wie du mehr Klarheit findest”

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