Lebe deine Utopie – Ein Interview

Die Utopie leben

 

Wie wäre es, vollkommen frei zu leben?

Wie würde es sich anfühlen, deine Talente und Stärken, dein Herz und das was dich ausmacht mit denen um dich her zu teilen. Einfach so, ohne etwas zurück zu erwarten?

Und wie wäre es, den Reichtum an Talenten, Gaben, Wissen und Fähigkeiten von denen um dich her zu genießen? Einfach so?

Utopisch? Stell dir vor du könntest die Utopie leben

Wie könnte ein solches erfülltes, vollkommen anderes Leben mitten in Deutschland aussehen?
Diesen Fragen gehen wir im heutigen Artikel auf den Grund.

Ich freue mich sehr, euch Tobi und sein inspirierendes Projekt living utopia vorzustellen!

Die Utopie leben: Interview mit Tobi von living utopia

1) Lieber Tobi, vielen Dank, dass du dir Zeit für unser Interview nimmst! Ich lege direkt mal los.
Mit deiner Freundin Pia hast du das Netzwerk living utopia und damit viele Kampagnen und Projekte entwickelt, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Was ist eure Vision von einem guten Leben?

Vermutlich eine Vision, die wir alle im Herzen tragen, wenn wir genauer hinschauen. Wir möchten auf diesem Planeten in Kooperation anstatt in Konkurrenz miteinander leben, Vorhandenes sinnvoll nutzen, die eigenen Talente frei entfalten und sie mit der Gemeinschaft teilen. So können wir ein glückliches und gutes Leben für alle ermöglichen! Wir möchten so leben, dass wir so wenig Leid und Ausbeutung wie möglich verursachen.

 

2) “living utopia” und “geldfreier leben” – das sind die Plattformen, durch die du Menschen inspirieren möchtest. Worum geht es da genau?

living utopia ist unser Projekt- und Aktionsnetzwerk, das Mitmachräume für eine bessere Welt und einen sozialen Wandel schafft. Unsere Basis sind die vier Motive geldfrei, vegan, ökologisch und solidarisch. Und die zentrale Frage bei unseren Aktionen ist: Wie stellen wir uns eine zukunftsfähige Gesellschaft von morgen vor?

Dazu organisieren wir beispielsweise den Mitmachkongress utopival, im November die Utopie-Ökonomie-Konferenz UTOPIKON oder auch den Utopie-Aktionstag.

Daneben gestalten wir Kampagnen, wie zum Beispiel die geldfreier leben Internet-Kampagne. Dort kannst Du einen 20 Tage Newsletter bestellen, der Dir täglich eine Impulsmail zusendet oder auch den geldfreier leben Youtube-Channel abonnieren, wo wir wöchentlich kurze Impulsclips veröffentlichen. Dabei geht es dann um die Praxis, Philosophie und den Perspektivwechsel der Idee des geldfreieren Lebens.

 

3) Warum habt ihr genau diese vier Motive ausgewählt? Könntest du zu jedem kurz sagen, warum die wichtig für euch und für uns alle sind?

Zu allen Motiven gäbe es natürlich gefühlt unendlich viel zu sagen. Geldfrei(er) zu leben birgt die Möglichkeit, weniger Ressourcen zu verbrauchen und die eigenen Talente mit anderen zu teilen, ohne auf Gegenleistung angewiesen zu sein. Dies ist also ziemlich konträr zum gegenwärtigen System. Ökologisch bezieht sich darauf, dass wir so wenig Schaden in unserer Mitwelt anrichten, wie nur möglich und sie nicht ausbeuten. Da wir auf einem endlichen Planeten leben, ist das eine logische Entscheidung. Damit verknüpft ist die vegane Lebensweise. Der Verzehr tierischer Produkte trägt am meisten zum Klimawandel bei. Hinzu kommt das Mitgefühl mit den Tieren. Solidarisch bedeutet schließlich für uns, Menschen und Tiere in unserer eigenen Gesellschaft sowie in anderen Ländern nicht auszubeuten sondern sich gegenseitig zu unterstützen. Hieran merkt man bereits, dass diese vier Motive stark miteinander verknüpft sind.

Mehr Infos findet ihr hier.

 

4) Der Begriff “geldfrei” ist mir erstmals durch eure Kampagne begegnet – er klingt utopisch und doch auch so nach Freiheit. Kannst du darauf noch ein bisschen genauer eingehen?

Aus unserer Sicht ist geldfrei(er) zu leben auf verschiedenen Ebenen sehr hilfreich.

  • Wir möchten auf ökologischer Ebene Vorhandenes sinnvoll nutzen, Gebrauchsgegenstände teilen und somit finanziell keine Nachfrage für ein sowieso schon übermäßiges Angebot erschaffen.
  • Auf solidarischer Ebene haben wir den Anspruch, dass Geld kein trennendes Mittel darstellen und uns nicht einteilen darf in Besitzende und Besitzlose. Damit die Möglichkeit offen ist, an unseren Projekten und Aktionen teilzunehmen, gestalten wir diese geldfrei. Damit geht auch einher, dass wir versuchen, das Konzept “Leistung – Gegenleistung” zu überwinden. Wir möchten Ansätze einer solidarischen Ökonomie lebendig und erlebbar machen.
    Dadurch, dass wir das Privileg haben, unabhängig von Lohnarbeit zu wirken, möchten wir diese Handlungsoption weiter denken und unsere Talente soweit es geht bedingungslos geben.
    Aus unserer Perspektive sind  Menschen aus innerer Motivation heraus aktiv – solange sie sich um ihre existentiellen Grundbedürfnisse keine Sorgen machen müssen.
    Unser Engagement, die Projekte und Aktionen, sind somit auch ein gesellschaftliches Experiment: Wie entfalten sich Menschen und wie wirken sie, wenn sie keiner Lohnarbeit nachgehen müssen? Wir gehen aus innerer Motivation und mit größter Freude jeden Tag der Verwirklichung unserer Ideen nach.
  • Die dritte wichtige Ebene ist die der Unabhängigkeit: unabhängig von Geldgeber*innen können wir all unsere Projektideen gestalten und umsetzen. Es gibt keine finanziellen oder bürokratischen Barrieren. Daraus folgt, dass wir immer wieder kreative Lösungen finden, da wir kein gewisses Kapital zur Verfügung haben, sondern uns direkt mit Unterstützer*innen austauschen können und durch ökologische sowie solidarische Umsetzungsweisen unsere Projekte verwirklichen.

 

4) Auch der Begriff Mitmachräume klingt spannend – was verbirgt sich dahinter?

Wir möchten damit einladen, außerhalb der Box neue Erfahrungen im Miteinander zu sammeln. Wie könnte so eine Welt aussehen und welche utopietauglichen Alternativen brauchen wir zum Bestehenden? Der Wandel wird kommen – entweder by design oder by desaster. Wir möchten diesen gestalten und laden zum Perspektivwechsel ein, um neue Wege zu gehen!

 

5) Nun hast du schon öfter ganz selbstverständlich vom „gesellschaftlichen Wandel“ gesprochen. Was wandelt sich da für wen und warum? Und warum ist ein Wandel, den wir mitgestalten aus deiner Sicht essentiell?

So wie wir aktuell leben kann es nicht weiter gehen. Wir erreichen einige Grenzen, wie beispielsweise die ökologische: Bei dem, was wir verbrauchen, brauchen wir eigentlich bereits 1,5 Erden. Das ist zu viel und wir merken schnell, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Eine andere Grenze vergessen wir oft: Die psychische Grenze! Das immer Weiter, Schneller, Höher, Besser, Mehr macht auch uns nicht glücklich und brennt uns aus.

 

6) All dies verwirklichst du nicht allein, sondern zusammen mit deiner Freundin Pia. Wie fing das Ganze eigentlich an?

Wir haben uns vor ca. drei Jahren kennen gelernt und gemerkt, dass wir die gleichen Visionen teilen und voller Idealismus wirken und leben. Wir reisten gemeinsam gen Süden: Eine Reise – frei von Geld, frei Leistung und Gegenleistung. Eine Reise voller Vertrauen schenkenden Begegnungen, voller Solidarität und Inspiration. Eine Reise an verschiedene Orte. Und zu uns selbst.
living utopia initiierten Pia und ich im September 2013 in Marseille auf einer kreativen, geldfreien Reise durch Europa. Wir haben geträumt, visioniert und Ideen konkretisiert. Kurze Zeit später reisten wir nach Deutschland zurück, um unsere Projektideen Wirklichkeit werden zu lassen. Fast drei Jahre danach können wir kaum glauben, was uns alles passiert ist, auf wie viel Resonanz unsere Ideen stoßen und welch inspirierenden und motivierten Menschen wir begegneten.

 

7) Und wie fühlt es sich an, gemeinsam etwas zu erschaffen, das die Welt ein Stück besser macht?

Natürlich super! Die unglaubliche Resonanz erfreut uns sehr und wir sind glücklich und dankbar so leben zu dürfen!

Allgemein denke ich, dass es zu zweit einfacher ist motiviert und engagiert zu bleiben, weil ein gemeinsames Reflektieren über die Erfahrungen und Perspektivwechsel außerhalb der Verwertungslogik, des Leistungszwangs und des Selbstoptimierungswahns möglich ist.

 

8) Mit diesen Themen habt ihr euch also sehr intensiv selbst beschäftigt. Sind sie immer noch Teil deines Lebensstils?

Für 2,5 Jahre lebten wir radikal und konsequent alle Motive. Nun leben wir weiterhin geldfreier, aber nicht mehr ganz geldfrei. Dank eines solidarischen Unterstützer*innenkreises, der unsere anteilige Warmmiete deckt, haben wir wunderbarerweise die Möglichkeit weiterhin unsere gesamte Zeit in den gesellschaftlichen Wandel einzubringen. Ein unglaubliches Geschenk!

 

9) Inwieweit hat die Beschäftigung mit dem Thema denn dein ganz eigenes Leben bereichert? Macht ein geldfreieres Leben glücklicher?

Letztendlich geht es darum:
Wenn wir geldfreier werden, können wir freier von fremdbestimmter und meist nicht sinnhafter oder erfüllender Lohnarbeit werden. Die frei gewordene Zeit können wir nutzen, um unsere Talente zu entwickeln und unsere Berufung in einer freien Entfaltung zu entdecken und weiterzuentwickeln. Die daraus frei gewordene Zeit können wir dann gemeinwohldienlich schenken und teilen.

Das macht mich auf jeden Fall sehr glücklich! Das Easterlin Paradox zeigt auch ganz wunderbar, dass Geld und Glück eben nicht unbedingt zusammen hängen. Wenn grundelegende Bedürfnisse und damit unser Existenzminumum gedeckt sind, werden wir durch mehr Geld nicht glücklicher! Es geht also darum, materielle und soziale Grundbedürfnisse zu decken – dazu braucht es jedoch aus unserer Perspektive kein Geld (und auch keinen Tausch)!

 

Lieben Dank Tobi, für diesen inspirierenden Einblick in dein Leben und Wirken!

Mehr zu Tobi und seinen Projekten:

Als Aktivist, Mitweltpädagoge, Speaker, Campaigner und Netzwerker ist Tobi Rosswog im Projekt- und Aktionsnetzwerk living utopia aktiv. Dort gestaltet er mit anderen Aktivist*innen Mitmachräume für den gesellschaftlichen Wandel. Er inspiriert und motiviert außerhalb der gesellschaftlichen Konventionen zu denken, Utopien zu leben und neue Wege zu gehen. Sein eBook „Lebe Deine Utopie“ kannst du auf der Kampagnenseite selbstverständlich geldfrei downloaden.

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